Peter on the Road to Everywhere

Karibik Januar bis Februar 2014

Cultus magnificus addit hominibus auctoritatem*

from " Latin for boaster " from Gerald Drews

LONDON

24 Jans. In 2014

Only because of that (*A magnificent way of life increases the peoples reputation) we sit here in London, on the way in the Caribbean! For me there is, really, a more pleasant way to spend my free time! (Sit cosily near the heating and work with my computer, work in the garden in spite of cold weather in Zuidwolde, work late shift with Samir, enjoy Christians German cuisine, drink coffee and read the newspaper at Starbucks, bar hopping with Jürgen, have breakfast with Vasi and Peter, walk along one of the many lakes in Brandenburg with Ingo … .) And why? Because already the organization of the current journey was sinewy, many would have given up by now.

First the torture of the choice of the destination (I admit, a luxury problem). Actually, we would have liked next four years - since I go to pension - our whole leisure gladly in InterContis spends, but where? If we have the top Destinationen of the earth, nevertheless, long time ago by! There was the InterConti in Seoul (at that time with Ingo still nothing(nobody)) is still absent(lacking) us, but in January with below 20 °? Also the InterConti Buenos Aires (where I was with Anja) retired, at present there it is a plus 40! A journey (without InterContis) by three pluses of Guyana Trinidad and Tobago also failed: the communication between the countries(lands) is quite "basic" to be silent from travelling in the home. To wade with Christian by deep mud, to walk loaded with over 30 ° about the mountains or contaminated by piranhas

Zuerst die Qual der Wahl des Reiseziels, (ich gebe zu, ein Luxusproblem). Eigentlich hätten wir die nächsten vier Jahre - bis ich in Rente gehe - unsere gesamte Freizeit gerne in InterContis verbracht, aber wo? Haben wir die Top-Destinationen der Erde doch schon längst durch! Das InterConti in Seoul (damals mit Ingo gab es noch keins) fehlt uns noch, aber in Januar bei minus 20°? Auch das InterConti Buenos Aires (wo ich mit Anja war) schied aus, da ist es zurzeit plus 40! Eine Reise (ohne InterContis) durch die drei Guyanas plus Trinidad und Tobago scheiterte auch: Die Kommunikation zwischen den Ländern ist ziemlich „basic“, um von Reisen ins Inland mal zu schweigen. Mit Christian durch tiefen Schlamm zu waten, vollbepackt bei über 30° über die Berge zu wandern oder durch Piranhas verseuchte Flüsse zu paddeln ist nun gar nicht sein Ding.
Schließlich blieb T&T im Rennen, nun aber in Verbindung mit einigen weiteren Karibischen Inseln. Der billigste Flug und die beste Verbindung gaben schließlich den Ausschlag.
Unsere Inseln, allesamt bekannte Reiseziele, werden wahrscheinlich fast nur von Pauschaltouristen angeflogen, sie individuell zu buchen ist nervig. In meinem Reisebüro bekam ich nur Flüge via New York oder Miami angeboten, teuer und umständlich.
Also buchten wir schließlich selbst bei Opodo: Hin nach Barbados via London und zurück von St. Lucia via London, mit BA und Virgin. Die Hotels in London, das Crowne Plaza und das InterConti wurden gleich problemlos gebucht, auch der Weiterflug von Barbados nach Trinidad mit der Carribean Airlines klappte gleich. Jetzt machte ich den ersten Fehler. Von Port of Spain wollten wir gleich nach Tobago weiterfliegen. Ich hätte gleich einen durchgehenden Flug buchen müssen. Das wäre wahrscheinlich billiger und auch sicherer gewesen. Wenn wir jetzt Verspätung haben ist der Weiterflug nach Tobago futsch.
Das nächste Problem war der Rückflug nach Trinidad. Obwohl es alle 20min einen Flug gibt, gab es an diesem Tag nur einen Flug kurz nach Mitternacht oder morgens um sieben. Christian entschied sich für den frühen Flug weil wir unmittelbar neben dem Flughafen wohnen würden. Groß war unser Erstaunen als es sechs Wochen später unzählige Flüge zu buchen gab. Wir versuchten bei Caribbean Airlines umzubuchen, aber die verwies uns an Opodo. Mit denen zu kommunizieren ist fast aussichtslos, also wollten wir es dabei belassen. Groß war unser Erstaunen als jetzt auch dieser Flug bei uns nicht mehr auftauchte. Obwohl wir den Flug bezahlt haben lässt er sich über die Buchungsnummer nicht mehr aufrufen.
Der Flug von Trinidad nach Grenada ließ sich buchen, der Weiterflug nach St Vincent aber nicht. Zu Hause in den Niederlanden hatten wir auf ein paar ruhige Abende gehofft, wir machten aber nichts anderes als diesen verdammten zu Flug buchen: Alle Daten eingeben, inklusive Geburtstag, Geburtsort, Reisepassnummer, VISA Nummer und so weiter. Und jedes Mal kam am Ende „Error“. Diese Verbindung schien nicht buchbar zu sein, aber wir hatten ja schon den Rückflug von St Lucia. Es war zum Verzweifeln. Wir versuchten es mindestens zehn Mal, ohne Erfolg. Zurück in Berlin versuchten wir es auch immer wieder. Verzweifelt ging ich zu unserem Reisebüro. Hier musste ich mich sagen lassen dass sie bei der Liat keine Flüge buchen konnten. Was nun?
Im Internet gab ich „flight Carriacou Union Island“ ein und siehe da, ich fand eine Flugverbindung zwischen den Inseln. Ich schrieb eine Mail und bekam prompt eine Antwort: Ein Sechssitzer fiegt zwischen den Inseln für 120€ mit dem Vorteil nicht mit der Fähre von Carriacou nach Grenada zurückfahren zu müssen. Der Flug war schnell bestellt und gebucht.
Einen Tag später fand Christian eine Bestätigung von dem Grenada - St. Vincent Liat Flug in seinem Spam. Nicht stornier bar und nicht umbuchbar. Jetzt haben wir die Strecke doppelt und knapp 250€ in den Sand gesetzt.
Weitere Probleme tauchten auch. Mein Limit bei der VISA-Karte wurde überzogen, Freunde mussten aushelfen. Inzwischen sind wir in London. Mit dicken Jacken waren wir bei minus 7° zum Flughafen gefahren. Herr Heinze, ein Teilnehmer von Christians Computerkurs, war zum Flughafen gekommen und hatte noch ein paar Sandalen und Süßigkeiten für seine Enkelin in Tobago mitgegeben. Auf dieser Insel würden wir von seiner Tochter Silja herumgeführt werden.
Heathrow hat eine gute Anbindung mit der Stadt. Ohne Umsteigen zu müssen kamen wir mit der Tube zum Crowne Plaza an der Cromwell Road in Kensington. Wegen morgen früh war Christian nervös und er wollte die Strecke zum Victoria Terminal schon mal abfahren. Für die Tickets von der Gloucester Road zum Terminal mussten wir 9,40 bezahlen! Das sind umgerechnet €5,75 pro Ticket! Für nur drei Stationen! Ein Ticket von Heathrow über sechs Zonen (41 min) in die Stadt hatte nur €6,90 gekostet!
Von Gloucester Station fuhren wir erst mal in die falsche Richtung, aber Christian merkte es gleich und wir fuhren zurück. Victoria war unverändert wie beim letzten Mal als wir aus Bristol kamen und von hier nach Gatwick fuhren. Der Bahnhof ist riesig, alt, zum Teil altmodisch aber auch teilweise modern. Funktional aber eben nicht totsaniert wie so oft in Deutschland. Und trotz der Menschenmassen viel sauberer als bei uns. Und nicht wie auf dem Hauptbahnhof in Berlin, wo man nie jemand sieht, stehen überall Mitarbeiter der Bahn oder Sicherheitsleute herum. Na ja, bei diesen Ticket Preisen!
Wir wollten nicht noch mal 9 Pfund 40 zahlen und liefen zurück zum Hotel. Zuerst fanden wir im Straßengewirr die richtige Richtung nicht. Überall wurde gebaut, der Linksverkehr raste durch die Baustellen, (gegen das hier ist Berlin ein Dorf). Schwerbewölkt konnte ich die Richtung nicht bestimmen, welche Straße führt in westliche Richtung? Hinter der Baustelle gab es ein schönes Theater, dann riesige Glashallen - wahrscheinlich Einkaufzentren - Hochhäuser, eine Russische Kirche. Nach einer halben Stunde waren wir wieder am Bahnhof. Hätte ich bloß meine Lesebrille mitgenommen, der Stadtplan war nicht zu entziffern. Irgendwie fanden wir doch die richtige Richtung.
Wir liefen durch das London Agatha Christies. Wie schön das hier war. Weiße drei- und vierstöckige Häuser in stillen Straßen. Die Fassaden gegliedert mit Erkern und Säulen. Hier und da schöne kleine Geschäfte und Cafés. Immer wieder gab es kleine gepflegte Parks. Wir durchquerten den Eaton Square, mehr Park als Platz und sahen viele Landesfahnen: hier residierten viele Botschafter, es gab große Botschaftsgebäuden. Die Franzosen hatten gleich ein Kulturzentrum und eine Schule mit eingegliedert, die Norweger hatten ein Palästchen, die Deutschen einen hässlichen Neubau (hatten sie im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle eine Bombe fallen lassen?)
Durch die schmale Pont Street und den noch schmaleren Beauchamp Place - mit zauberhaften kleinen Boutiquen, alle einige Steinstufen erhöht, mit aufwendigen alten Holzfenstern, antiken Interieurs, Brautmoden, Porzellan, holzgetäfelten Restaurants, viel weißem Damast und glänzendem Kristall - ein Luxus, ein Stil ….. wo gibt es denn so was in Berlin?
Eine große Straße, die Brompton Road und später die Cromwell Road führten uns zurück zum Hotel. Seitenstraßen zu überqueren ist lebensgefährlich, gibt es keinen Zebra wird weiter gedonnert, gibt es einen halten alle brav an. Alles nach der Regel!
Hier war ich noch nie! Wir passierten das Victoria and Albert Museum und das Natural History Museum, beide in gigantischen Gebäuden untergebracht. Solche Bauten kenne ich nur aus Bombay oder Calcutta, ihre originalen Vorbilder hatte ich bis jetzt nie gesehen. Ich merke das, wenn man ungeplant durch eine Großstadt läuft, man viel mehr sieht als wenn man bekannte Sehenswürdigkeiten abklappert: Dann sieht man immer nur das was man schon kennt. (Das gilt natürlich nicht für Berlin, man würde nur S-Bahn Geländen oder vermüllte Parks sehen).
Das Crowne Plaza ist in einem alten Gebäude untergebracht und passt gut in der Umgebung. Wir hatten Zimmer #627 unter dem Dach. Gemütlich mit schrägen Wänden. Wir nutzten die 50% auf F&B aus und aßen im hausinternen Asiatischen Restaurant. Christian bekam eine riesige - leider geschmacksneutrale - Pho Suppe, ich eine Kambing Suppe (ganz OK, aber natürlich nicht so überirdisch lecker wie im InterConti Burubudur Jakarta….) Dafür kostete alles auch inklusiv Getränke nicht mal 15 Pfund.
Wir stellten unsere Handys auf sechs Uhr, Christians seins klingelte um fünf, er hatte vergessen die Zeit umzustellen.
Kurz vor sechs standen wir vor den geschlossenen Toren des Gloucester Station, und wir hatten extra noch gefragt ob es morgens U-Bahnverkehr gäbe…. Wir fanden gleich ein Taxi. Das fuhr genau die Strecke die wir gestern gelaufen waren und kostete nur 11 Pfund. Bahnfahren scheint sich in London kaum zu lohnen wenn man zu zweit ist.
Christian hatte die Tickets von Victoria zum Flughafen im Internet gekauft, dummerweise falsch herum: Gatwick - Victoria und Victoria - Gatwick. Die nette polnische Schaffnerin machte uns darauf aufmerksam. Sie schrieb ihren Namen auf dem Ticket. Hätten wir Probleme bei unserer Rückkehr, sollten wir uns auf sie berufen. Außerdem fand Christian jetzt heraus dass die Tickets am Automaten billiger gewesen wären. „Aber Sabine bestellt sie doch auch immer im Internet? Ich habe sie deswegen noch extra angerufen…..“

Eastern Caribbean Map


BARBADOS

25 – 28 Jan. 2014

UN-Member Nr. 149
MTP Nr. 387

Keine zweieinhalb oder drei Stunden, sondern vier Stunden zu früh waren wir in Gatwick. Wir konnten gleich einchecken und bekamen zwei Plätze im Mittelteil. Die Zeit ging schnell vorbei, wir spazierten durch die Einkaufspassagen, hatten Frühstück bei MacDonald’s und schauten uns die Leute an. Seltsam dass man zwischen den Menschenmassen immer wieder die gleichen Leute sieht. In Tegel war das ganz krass. Einen Typen mit einer blauen Jacke mit einem riesigen schwarzen Rollkoffer sah ich zum ersten Mal ii dem X09er. Beim Aussteigen lief er uns vor die Füße, auf dem Weg zum Einchecken lief er uns für die Füße. Christian musste pullern. Wer drängelte sich mit seinem riesigen Rollkoffer in die winzige Toilette? Der Blaujacke. Wo flog er hin? Nach London! Wer saß drei Sitze von uns entfernt? Wieder er. Wir dockten da nicht an sondern fuhren mit dem Bus zum Terminal. Wer stand neben uns? Inzwischen sind wir ihn los!
Und dann in Gatwick. Den ersten Rastafari den ich sah, sah ich gleich noch fünf Mal. Wo flog er hin? Nach Barbados! Wo saß er im Flieger? Links vor uns! Und eine indische Schlange, ein Brillenverkäufer sah ich zwei Mal an seinem Stand und dann noch drei Mal JWD auf dem Flughafen. Kann er nicht bei seinen Brillen bleiben? Und es laufen hier zehntausende von Menschen herum!!!
Der Flug - acht Stunden - verging im Fluge. Es gab immer was zu Trinken oder Essen - sogar ein Eis - dann mal wieder Getränke oder Kaffee mit einem Törtchen. Christian las und döste ein paar Mal, ich schlief mehrere Male richtig fest und las den Reiseführer noch mal durch. Interessante Sachen zeichnete ich auf meine Google-Maps Karte ein. Die Kiste war fast voll, aber ich hatte neben mir einen freien Platz. Schön entspannt!
Beim Aussteigen machte ich ein Bild von dem Flughafen. Das Terminal in Barbados ist größer als in St. Petersburg. Die Flieger die hier landen sind auch größer. Unsere Virgin-Atlantic Maschine war eine Boeing 747-400 gewesen, neben uns standen ähnlich große Vögel (Tui-Fly, American Airlines und zweimal Thomas Cook) und alle schienen sie gerade angekommen zu sein. In der Halle vor der Passkontrolle standen Tausend Leute. Ein britischer Bosoffski der im Flieger schon ständig Wodka gebechert hatte nervte kurz hinter uns. Über eine Stunde standen wir in der feuchten Hitze.
In der Ankunftshalle gab es keinen ATM, wir mussten zur Abflughalle rüber laufen. Endlich fertig blieb uns nicht mehr viel vom Tag übrig.
Die Fahrt zum Hotel kostete BB$24. Ich sagte den Fahrer er möge den Umweg über South Point machen. Kostenpunkt BB$50. Wenn wir morgen zum North Point fahren möchte ich natürlich auch den südlichsten Punkt der Insel sehen. Ich glaube der Arsch hat uns beschissen und wir waren gar nicht da. Mitten in einem Regenguss zeigte er auf einen Strand hinter den Bäumen, dass sollte der südlichste Punkt der Insel sein. Ich konnte jetzt unmöglich aussteigen. Und fünf Minuten später waren wir beim Hotel. Unser Hotel war doch viel weiter westlich von South Point? So kann man sein Geld auch loswerden!
Die Round Rock Apartments bestehen aus drei, vier Baracken und liegen auf einem windgepeitschten Felsen am Meer. Wie Ingo mich schon gewarnt hatte sieht alles ziemlich lumpi-pumpi aus auf Barbados, so auch das Hotel. Es gab nur fünf oder sechs Zimmer, aber unsere Reservierung schien unbekannt zu sein. Wir fanden die Küchenfrau. Nach einigem Zögern gab sie uns ein Apartment mit Küche/Wohnraum, drei Schlafzimmern und zwei Bädern. Wir sollten auf die Chefin warten. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr und liefen zu der kleinen Rezeption, saß die da! Der Check-in zog sich hin - sie musste für uns ein Taxi für Morgen bestellen - aber wir konnten unser Apartment behalten.
Jetzt blieb uns nur noch kurz Zeit zum Supermarkt zu gehen, um sechs wird es hier dunkel. Nebenan stehen weiter kleine Hotels und Pensionen. Da wo die Korallfelsen aufhören und der Strand anfängt steht ein buntbemaltes Holzhaus, ein Surferclub. Die Barbadians (Bajans) wohnen fast alle in kleinen einzeln stehenden Häuschen. Die älteren sind aus Holz, die neueren - weniger malerisch - aus Beton. Die Leute sitzen gerne auf der Veranda, im Garten mit nur zwei, drei Büschen gibt es eh nichts zu tun. Die Jugend fährt mit BTX Rädern hin und her, sitzt auf der Veranda der lokalen Kneipe oder lungert vor dem Supermarkt herum und kloppt Spruche wie „Welcome to Barbados!“, „How are you today?“, „This is a good bar, come on!“ oder „Bajans are the friendliest people in the world!“ „We’ll check that out for ourselves“ war darauf meine Antwort. „This is the bus stop to Bridgetown, you stand here!” sagte mir ein angetrunkener Schwarzer. Ja, ja ist gut!
Der kleine Supermarkt besteht aus vier, fünf Regalen: labberiges Toastbrot (die ehemalige Kolonialmacht lässt grüßen), Getränke, große Flaschen Rum, kleine Flaschen Rum, Flachmänner Rum, Fischdosen und Corned Beef, Nudeln, Putzmittel und hinten sandige Kartoffel und Jamswurzel, ein paar Kühlschränke mit Getränken, Butter, Cheese, Ham and Eggs. Wir müssen nicht hungern!
Der Jetlag - fünf Stunden mit Deutschland - macht sich langsam bemerkbar. Wir warten auf der Terrasse des Hotelrestaurants - weiße Plastiktische, weiße Plastikstühle - auf unsere Fisch und Chips, fünf Meter weiter klatscht die wilde atlantische Brandung mit lautem Getöse an die steilen Felsen. Die Süd und Westküste sind ein Paradies für Surfer, die flachen, ruhigen karibischen Strände zum Baden gibt es an der Westküste.
Die störrische Köchin brachte endlich das Essen, lecker, aber die Portion hätte ruhig etwas größer sein können. Inklusive drei Fläschchen Wasser knapp €40. Sagen wir so, Thailand ist billiger!

Das Taxi Nummer 1252 sollte uns um 8.30 abholen. Für €20 die Stunde erwarteten wir schon eine gewisse Pünktlichkeit, aber: kein Taxi! Um Viertel vor neun: Immer noch kein Taxi. Die Kleine war an der Rezeption und sagte: „He’s coming.“
Ein großer Jeep fuhr vor. Der Fahrer, ein struppiger Neger, schleppte sich rein und hing sich über den Tresen. Jung und dynamisch war anders. Keine Entschuldigung, nichts. Die Kleine lief zum Restaurant. „I’m waiting for two tabletts“ sagte er. „Was für Tabletten? Was meint er?“ sagte Christian. „There are none“ sagte die Kleine und wir fuhren los.
Ich erklärte die Reiseziele. Wenig gesprächig schafften wir es zum Anfang des Landebahns. Er hielt an, stieg aus und bog sich über den Straßenrand. „Jetzt kotzt er“ sagte Christian. Er setzte sich wieder und wendete den Wagen. „I can’t do it, I’ll get you someone else to do the tour” sagte er und brabbelte irgendwas von gerade aufgestanden …. unwohl sein. „You went out last night?“ fragte ich. „No, no……“
Zurück im Hotel sagte die Kleine „fifteen minutes“. Wir warteten auf unserer Veranda. Feine ältere Leute, die Eltern, kamen mit ihrem Kleinwagen zurück aus der Kirche. Um halb zehn rief sie: „Come!“ Sie und ihr alter Vater würden die Tour mit uns machen.
Eine Stunde Später als geplant standen wir vor dem Sunbury Plantation House von 1660, eines der wenigen erhaltenen Sehenswürdigkeiten dieser Orkan- und Erdbeben geplagten Insel. Auch dieses Herrenhaus - übrigens sehr schön - wurde mehrmals zerstört und wiederaufgebaut. Wir sahen uns den tropischen Garten mit seinen englischen Rasenflächen an. Das Interieur war für €10 zu besichtigen, nein danke! (Das etwas aufwendiger gestaltete Eremitage im Winterpalast in St. Petersburg kostet übrigens nur €9, aber wir sind hier in der Karibik). Unter einem Baum saß eine etwa zwanzig köpfige Touristengruppe auf weißen Plastikstühlen und hörte sich brav die Erklärungen einer Dame über die Rumherstellung an. So kann man den Tag auch verbringen….
Den Crane Beach sahen wir nicht. Ein riesiger Hotelkomplex mit imposanter üppig grüner Auffahrt und eingebettet in tropischen Gärten beschlagnahmt die ganze Bucht. Wir durften eine Schleife durch die tropische Pracht fahren und fuhren die Südostküste weiter hoch.
Ein Höhepunkt war die Ruine des Sam Lord’s Castle. Das Schloss wurde rund 1820 gebaut von Sam Lord. Er war mit der Piraterie reich geworden. Er machte große Leuchtfeuer auf den Klippen worauf die Schiffe auf das tückische Riff vor der Küste aufliefen. Leichte Beute! Irgendwann wurde das Schloss in ein Hotel umgewandelt, musste wegen Steuerhinterziehung schließen, verfiel und brannte schließlich ab. Die Flammen in der Nacht seien auf der ganzen Insel sichtbar gewesen sagte der Vater. Christian meinte die Seele des Hauses schwebe noch umher. So ein Jammer! Es war wirklich unwirklich schön hier. Wir bahnten uns einen Weg durch den Garten, liefen über die zersprungen alten Wege zur Küste. Ein Rastafari hatte sich hier unter den alten Bäumen eine Hütte gebaut und briet sich gerade seine Frühstückseier. Er hauste hier im Paradies. Wild tobte die gigantische Brandung an den steilen makellosen Sandstrand. Zwei junge Männer bewaffnet mit Harpunen kämpften sich durch die wüste Brandung, sonst war außer uns niemand da.
Auf den zersprungenen Fließen der Terrasse vor der weißen Fassade des Schlosses machten wir noch einige Bilder. „Wouldn’t you like to invest here?“ fragte der Vater. Gerne, sofort, dachte ich, wenn ich könnte!
Endlos fuhren wir jetzt umher. Barbados ist hier nicht mehr so flach wie an der Südküste und man muss Umwege fahren um weiter zu kommen. Immer höher fuhren wir durch die Wälder, schließlich durchfuhren wir den berühmten „Bamboo Lane“, die palmengesäumte Auffahrt des eleganten Codrington Collage, das älteste Anglikanische Kollegium der westlichen Hemisphäre. Wirklich schön! Frieden schwebt hier über den englischen Rasen und über die Wipfel der hohen Palmen. Die alten Gemäuer von 1743 sind eingebettet in blühenden Gärten. Vorne gibt es einen großen Teich mit Seerosen, eine steinerne Brücke führt zu der offenen Fassade. Drei Torbögen geben den Blick frei auf den Garten, hinter dem kurzgeschorenen Rasen das tiefgelegene Meer, davor kleine Siedlungen und Wälder, die gleißend weiße Brandung in unendlicher Ferne.
Wir setzten uns auf eine Bank und aßen unsere Käsetoasts. Schön hier, wirklich schön! Friedlich! Kein Verkehr, kein Lärm, keine Umweltverschmutzung, kein gar nichts. Nur Ruhe, Vogelgezwitscher und die grandiose Aussicht vor uns.
Richtig Ruhe findet man trotzdem nicht wenn die Uhr €20 pro Stunde tickt!
Von hier fuhren wir durch die Berge zur St. John’s Church. Berge sind vielleicht übertrieben. Eigentlich besteht Barbados aus einer schrägen Scholle, flach im Westen und immer höher ansteigend nach Osten. Irgendwann bricht die Scholle ab und gibt aus zwei oder dreihundert Metern Höhe den Blick frei auf die raue atlantische Küste.
Diese Kirche von 1660, 1836 wiederaufgebaut nach dem Hurricane von 1831, steht auch hoch oben auf dem Escarpment. Umstanden von alten Bäumen strahlt sie eine vornehme Ruhe aus. Unsere Fahrerin parkte neben einen betenden Inder mit langem Rauschebart. Sein bärtiger Kumpel fütterte die Tauben. Das es hier in Barbados Moslime gibt wusste ich nicht und das sie im Vorgarten einer Jahrhunderte alte Kirche auf dem Gebetsteppich liegen fand ich seltsam.
Das Innere der Kirche wurde fast völlig aus Holz hergestellt: die alten Bänke, der Altar und die Pfeiler die die Seitenbalkons stützen. Hinter dem Altar gab es zwei Glasfenster mit religiösen Vorstellungen, wie bei uns in der alten Welt. Hinter der Kirche stehen massive Tonnengräber, ringsherum die weite Landschaft mit hinter den Wäldern die weiße Brandung der Atlantik.
Wir fuhren runter zum hübschesten Ort der Insel: Bathsheba. An seinem Strand liegen die großen Steine, big boulders, die wegen ihrer Einzigartigkeit das Wahrzeichen der Insel sind. Wir machten eine Menge Bilder, leider fast alle mit Blaustich, unsere neue Kamera spinnt. Ab jetzt werden wir nur noch mit der alten Kamera fotografieren die wir Gottseidank auch mitgenommen haben.
Wir fuhren unmittelbar neben der Küste nach Norden. Die Küste ist hier rau und unbewohnt, die Brandung enorm. Zehn oder fünfzehn, manchmal zwanzig Schaumkronen rasen parallel auf die Küste zu. Nicht mal auf Maui habe ich so eine Brandung gesehen. Unmittelbar an den Stränden krümmen sich die einzelnen Bäume, die Täler sind dicht mit primary jungle bewachsen. Hier, in dem Barbados Wildlife Reserve, leben die letzten wild lebenden Affen der Insel, die green monkeys. Auch hier mussten wir wieder 10€ Eintritt zahlen, zu teuer, der Park war eine Enttäuschung. Affen gab es genug zu sehen, auch Dschungel, aber die anderen Tieren die herumliefen sahen ziemlich trostlos aus.
Wir machten ein paar Bilder und fuhren anschließend zu einem weiteren Landsitz von 1650: St. Nicolas Abbey. In Wirklichkeit war dieses Gebäude nie eine Abtei, der versnobte Besitzer erfand den Namen. Das Haus mit seinen holländischen Giebeln war wirklich sehr schön, die 550m lange Auffahrt mit Mahagoni Bäume sensationell. Wir kamen aber zu spät für eine Besichtigung, das Haus war geschlossen.
Von hier zum North Point zu kommen war noch weit, wir fuhren nach Hause. Barbados ist ziemlich groß, es ist ein richtiges Land, 34km von Nord nach Süd und 22km von Ost nach West. Durch die schroffen Berge im Osten und Norden, und die dichte Besiedlung der Insel, 267.000 Einwohner auf 430km², dauert eine Überlandfahrt ziemlich lange. Wir fuhren jetzt die flache Westküste hinunter. Es gibt hier größere Städte, viele Resorts und alles sieht viel besser aus als im Süden, grüner, gepflegter, weniger struppig. Nach genau acht Stunden, kurz vor Einbruch der Dunkelheit waren wir wieder zuhause.
Christian zauberte Spagetti Bolognese in unserer Küche, wir aßen auf dem Balkon. Wir waren eigentlich ganz zufrieden mit unserem Apartment. Wir hatten viel Platz und durch die Florida-Fenster auf drei Seiten wehte der Wind. Christian war es trotzdem zu heiß. Er schlief miserabel. Aber eigentlich müsste man bei Durchschnittstemperaturen von 23 bis 29 Grad zufrieden sein. Auch die Mücken plagten ihn. Nachts gab es wieder sintflutartige Regenfälle, wie uns mehrere Male erzählt wurde sehr ungewöhnlich für Januar, eigentlich sei jetzt Trockenzeit. Der Regen, zusammen mit den nahen Wellen, den schrillen Zikaden, bellenden Hunden und kämpfenden Katzen, bildeten eine durchgehende Geräuschkulisse woran man sich erst mal gewöhnen muss.

Heute ist Montag, aber trotzdem gab es viel Jesus Christus in der Luft. Wir saßen in einem Kleinbus und fuhren, oder besser gesagt krochen, durch die endlosen Vorstädte Oistins und Christchurch nach Bridgetown und wurden von Gospels begleitet. Der Fahrer hatte jede Menge CDs an der Decke eingeklemmt, aber diese Musik für den heutigen Morgen auserwählt. Jesus liegt hoch im Rennen auf Barbados er wird in den unterschiedlichsten Kirchen Lob gepriesen. Es gibt kaum eine Kreuzung auf der Insel wo nicht eine Kirche steht „and a liquer store is never far away“ hatte uns der Vater gestern erzählt. Unzählige male fuhren wir gestern an singenden Gemeinden vorbei, leicht dringt die Musik durch die schlechtvernagelten Bretter oder offene Fenster. Eine Gemeinde hatte nur ein Zeltdach über die Reihen weißer Plastikstühle gespannt, der Wind konnte so Das Wort ungebremst in die Landschaft tragen.
Leute stiegen ein und aus, immer wieder mussten wir aufstehen und raus um andere das Aussteigen zu ermöglichen.
Der Süden von Barbados ist völlig zugepflastert, nicht sehr hübsch. Die Häuser sind mit Mäuerchen umgeben, vielleicht gegen den Wind. Die Müllabfuhr scheint einigermaßen zu funktionieren, es liegt relativ wenig Müll herum. Näher an Bridgetown heran gibt es einige historische Gebäude, in alten Lagerhäusern haust die Armee. Versicherungen haben Glaspaläste erbaut. KFC und Burger King residieren in ihren Standardpappbaracken und die Tankstellen sehen auch nicht anders aus wie bei uns.
Am Fluss stiegen wir aus, der Fahrer bekam BB$4, etwa US$2 von uns. Die öffentlichen Busse kosten nur BB$0,50 pro Person, fahren aber weniger häufig.
Bridgetown sieht zunächst enttäuschend aus. Wir liefen entlang des Flusses zur Innenstadt, mussten uns aber erst mal für einen gigantischen Regenguss in eine kleine Mall retten. Zeit für Kaffee bei Burger King.
Die Stadt ist aber angenehm. Es gibt zwar ein paar Bausünden, eine zu groß geratene Parkgarage, ein zu protziger Verwaltungsbau mit zu viel Beton oder Verfehlungen in der ursprünglichen Traufhöhe, aber die Innenstadt hat viel von ihrem karibischen Flair behalten: Bunte Holzhäuser mit Veranden und Balkons, alte Kirchen umgeben von steinernen Gräbern inmitten üppig blühenden Büschen und Bäumen, und der schöne Hafen wo das Leben peitscht. Die unzähligen Cruise-Touristen trinken hier ihr Karibisch Bier (oder Heineken) oder lassen sich gleich mit Bajan Rum volllaufen.
Große Schilder am Rande der Innenstadt weisen auf dem Weltkurturerbestatus der Innenstadt hin. Ich halte dies zwar für unangemessen, aber vielleicht hilft es die ursprüngliche Atmosphäre beizubehalten.
In der Fußgängerzone ist der Bär los. Wie überall in der Stadt sieht man Touristen, aber die Bajans sind noch massiv in der Überzahl. Hier ist eben the Hot Spot der Viertelmillion Nation. Alles läuft ruhig und gemächlich ab. Die Bajans haben ihre eigene Philosophie warum sie so hübsch, stark und freundlich sind: Barbados ist die östlichste Insel der Karibik, es war hier wo die Sklavenschiffe aus Afrika zuerst ankamen. Die hübschen, starken und netten Sklaven wurden verkauft und durften bleiben, die schwachen, hässlichen oder aufmüpfigen wurden nach den weiter westlich liegenden Inseln weiterverkauft.
Die Bajans seien hübsch? Wie überall sieht man einen Haufen Krücken, aber es gibt welche: woow! Manche Frauen sehen so gut aus und schreiten so eitel voran, dass unser früherer Concierge Herr Wernz von denen gesagte hätte: „Die sind so vornehm, die brauchen nicht mal zu drücken beim ………!“
Und dann manche Jungs, wie Gazellen bewegen sie sich durch die Innenstadt. Am liebsten oben ohne, höchstens aber mit einem superdünnen Trägershirtchen bekleidet. Die Unterhose, gááánz hoch, die Jeans, gááánz tief. Wie bayerische Schönheiten ihre im Dirndl gepressten Busen hervorwallen lassen, machen es hier die Jungs mit ihren Backen. Mein lieber Herr Gesangsverein!
Unsere Chicken Wings bei KFC wurden untermalt von einem Prediger. Das Radioprogramm beschäftigte sich mit meinem persönlichen Weg zu Jesus Christus. Vielleicht ganz gut so, diese Religiosität auf der Insel. Kaum ein Bajan wird sich mit dem Abhaken aller Länder der Erde beschäftigen. Statt sehnsüchtig zum Flughafen zu schauen, lieber den Blick nach oben richten.
Die Rückfahrt war geil! Wir saßen „comme dans une boite du sardine“ wie man in Kamerun sagt. Mir schliefen schon nach fünf Minuten die Beine ein und lange stieg keiner aus. Die Musik bestand aus bekannten Reggae Hits, von einem heiseren DJ aufgerapt, ein Gequake!
Endlich stiegen welche aus und konnte ich normal sitzen. Es konnte jetzt nicht mehr weit sein. Wir fuhren durch viele kleine Straßen, alle Häuschen sehen gleich aus. Auf einmal erkannte ich unser Supermarkt, geschafft!
Die Sonne stand schon tief. Zurück nach Hause liefen wir zum Strand. Der liegt zwischen den Felsen und ist einige hundert Meter breit. Auf den Felsen neben uns steht das Silver- Point Hotel, sonst ist die Bucht nicht bebaut. Die Einheimischen picknicken unter den alten Bäumen, der Strand wird intensiv von Kite-Surfern genutzt. Mit einem Affenzahn rasen sie durch die Brandung, machen hohe Sprünge und Saltos. Der starke Wind macht es möglich. Weiter draußen, wo sich die Atlantischen Wellen auf das Riff brechen fahren die Segelsurfer. Es sieht fantastisch aus.
Wir bringen die Sachen nach Hause und ich klettere entlang der Felsen zum Silver-Point Hotel. Die Sonne steht jetzt hinter den Palmen, endlich kann ich mich ausziehen und den Strand genießen. Ich laufe durchs Wasser den Strand rauf und runter. Schwimmen kann man hier nicht. Erstens ist die Brandung zu stark, es zieht. Und zweitens lebensgefährlich wegen der Surfer. Einige Male renne ich vom Wasser den Strand hoch um nicht von einem Drachen erschlagen zu werden.
Und schon geht unsere Zeit in Barbados zu Ende. Wir packen und gehen früh ins Bett, um fünf kommt das Taxi.


TRINIDAD & TOBAGO

28 Jan. – 04 Febr. 2014

UN Member Nr. 150
MTP Nr. 388 und 389

Soeben sind wir in mein 150stes Land eingeflogen. Jetzt bleiben mir noch 46, denn die Vereinigten Nationen haben 196 Mitglieder. Der Vatikan und Taiwan sind keine Mitglieder, aber meines Erachtens schon Länder, vor allem Taiwan. Und was ist mit dem ulkigen Ländchen wo es so witzige kleine Autos gab, der Deutschen Demokratischen Republik? Die sind jetzt kein Mitglied mehr, waren aber schon ein Land! Mit echten Grenzen und richtige Grenzkontrollen. Und eine Staatsführung, und, und, und! Alles wie echt. Soll ich die mit einrechnen oder einfach wie ein böser Traum vergessen?

MTP steht vor Most Traveled People, einige Reisefreaks haben die Welt nicht nur in Ländern, sondern auch in Verwaltungseinheiten (Provinzen, States, Bundesländer, Regionen, autonome Gebiete) und einzelne Inseln oder Inselgruppen gegliedert. So gibt es 872 „Punkte“.

Das Taxi kam Pünktlich. So eine Erleichterung! Wir hatten während unserer Inseltour schon über unsere frühe Abreise gesprochen, aber ob tatsächlich ein Taxi bestellt worden war wussten wir nicht. Morgens war niemand an der Rezeption um noch mal nach zu haken und abends war unangekündigt das Restaurant zu, alles war dunkel! Später abends schien wieder jemand da zu sein, ich erinnerte noch mal an das Taxi. Tatsächlich kam kurze Zeit später jemand zum Zimmer und sagte dass das Taxi kommen würde. Daraufhin schlief ich einigermaßen ruhig.
Taxi 1252 mit dem kranken Fahrer kam. Heute ging es ihn besser. Wie ein wilder Wutz fuhr er durch die leeren Straßen, zehn Minuten später waren wir schon am Flughafen. Wir wurden schnell eingecheckt und bekamen sogar die Bordkarten für den Weiterflug nach Tobago. (War ich doch in Sorge gewesen diesen Flug zu verpassen.) Das Gepäck würden wir allerdings abholen müssen und wieder neu einchecken müssen. Der Flug war „on time“ wir hatten Zeit genug.
Barbados verschwand unter uns. Wir starteten in Richtung Osten, flogen dann mit einer großen Schleife nach Westen. Ich konnte die felsige Küste sehen, sogar das Silver-Point Hotel und unsere kleine Pension daneben.
Eine Stunde später landeten wir in Trinidad. Die Sicht war klar, wir waren knapp über die bewaldeten Berge und die flachen Reisfelder geflogen. Auf den Highways fuhren die Autos Stoßstange an Stoßstange.
Auf dem Flug nach Tobago waren die Berge kaum noch zu sehen. Es war jetzt ein paar Stunden später und inzwischen waren dicke Wolken aufgezogen, der Flieger wackelte. Schon nach zehn Minuten ging es wieder runter: schräg vor uns die bewaldete Küste unserer zweiten Insel:

TOBAGO

Silja stand am Ausgang des Flughafens, sie hielt kein Schild hoch, das wäre auch unnötig: Außer uns war kaum jemand da. Sie zeigte uns das Büro des Carribean Airways. Unser Flug war in Ordnung. In drei Tagen würden wir wie geplant um 7.10 nach Trinidad fliegen können. Das Hotel was ihr Vater für uns ausgesucht hat liegt nur fünf Minuten vom Flughafen entfernt Gerade im Zimmer rief ihr Vater an aus Berlin: „Ja sie sind da, hat alles geklappt Papa!“
Silja führt ein kleines Hotel in den Bergen. Leider zurzeit ausgebucht, sondern hätten wir bei ihr gewohnt. Ihr Mann arbeitet in einem großen Hotel an der Küste.
Wir machten gleich eine Tour über die Insel: Wir fuhren den Stränden von Crown Point entlang. Die Straße führt manchmal unmittelbar neben dem Strand, gerade noch Platz für die Rastafari Händler um ihre Batik Tücher, Muscheln oder Handkettchen auszustellen. Es gibt ein Paar Bars mit Reggae Musik, sonst ist hier nicht viel los.
Der berühmteste Strand von Tobago liegt in einem parkähnlichen Gebiet, dem Pigeon Point. Alles ist hier sehr gepflegt, schlanke Palmen ragen in den Himmel. Hier gibt es eine schmale Seebrücke mit einer kleinen strohgedeckten Hütte drauf, das Wahrzeichen von Tobago.
Siljas Hotel liegt in den Bergen. Ein Kanadisches Ehepaar hat es gebaut. Manchmal seien sie einige Wochen da wenn sie sich nicht um irgendwelche Wasserprojekte in Afrika oder sonst wo in der Welt kümmern. Sie wohnt hier mit ihrem Mann und Tochter und verwaltet den Laden mit einem Zimmermädchen und einem Gärtner. Der ist auch nötig auf dem riesigen Gelände, die Berge nebenan hat der Kanadier gleich mitgekauft um zu vermeiden das irgendjemand da was hin bauen würde. Die Auffahrt ist imposant, alte Bäume, blühende Büsche. Noch eine Kurve, wieder Höher. Das Haus liegt auf einer Bergkuppe. Ein traditioneller Bau, weiß mit dunkelgrünen spitzen Fenstern, eingerahmt von Bäumen. Sehr, sehr schön. Das Haupthaus bietet Platz für sechs Personen, weiter unten gibt es noch drei Zimmer. Von der Terrasse des hochgelegenen Pools hat man eine tolle Aussicht auf die Berge und das Meer. Schade dass es hier für uns keinen Platz gab.
Ihr Mann schaute noch um die Ecke und sagte hallo, dann fuhren wir nach Scarborough. Christian brauchte dringend ein langärmliches Hemd. Die Sonne ist so intensiv hier, man kriegt gleich einen Sonnenbrand. Die Stadt wirkt ziemlich ländlich und auseinander gezogen. Tobago ist viel reicher als Barbados, alles wirkt größer, stabiler, auch Amerikanischer. Die Straßen sind breit und flach, kein Vergleich mit den schmalen und oft kaputten Straßen von Barbados.
In Scarborough fanden wir in einem Einkaufcenter ein Hemd für Christian und fuhren zurück nach Crown Point.
Bei einer Österreicherin aßen wir zu Mittag. Ihre Chefin sei Schwedin erzählte sie. Das sei für uns leicht erkennbar an der Einrichtung des Restaurants: das bunte Häuschen wurde komplementiert durch bunt angestrichenes Mobiliar, viel bunter Krimskrams und von der Decke hingen die gleichen Papierleuchter von IKEA wie bei Christian zu Hause. Die Salate waren ganz lecker und preislich im Rahmen. T$T sind merklich billiger als Barbados, der Standard ist aber viel höher.
Silja musste jetzt ihre Tochter abholen. Wir liefen kurz zum Strand, aber merkten sofort dass man es sogar unter einem Sonnenschirm hier nicht aushält. Im Zimmer machten wir eine kleine Siesta und bummelten später zurück zum Strand. Crown Point stellt nicht viel vor. Es gibt einige Supermärkte und kleinere Pensionen, das bekannteste Hotel vor Ort ist das Coco Reef Hotel, hier wurde ein bekannter Film gedreht: „Traumhotel“.
Am Strand schauten wir auf dem wenig spektakulären Sonnenuntergang: der Himmel war nahezu Wolkenlos, nur genau vor der Sonne hing eine kleine dunkle Wolke. Strandbars mit Reggae sind nicht Christians Hobby, wir liefen zurück zum Hotel.
Ich war wieder Hundemüde, abends bin ich eh nicht zu gebrauchen und da kamen jetzt fünf Stunden Jetlag dazu. Um halb neun schlief ich tief und fest, um vier war ich hell wach und schrieb diesen Bericht.
Dem Hotel gegenüber gibt es eine Wiese mit Ziegen. Es sind keine Ziegen aber sie sehen so aus: klein, hager und kurzhaarig. So sehen hier die Schafe aus. Ein Lamm muss seine Mutter nicht gefunden haben. Das war stundenlang kein normales blöken, das war schreien. Mèèèh! Mèèèh! MÈÈÈHÈÈÈH!!! Wie sollte ich da weiter schlafen?

Heute machen wir eine Inselrundfahrt mit Katharina. Sie ist eine Freundin von Silja, die Deutsche Community hält hier zusammen. Um zehn vor neun wurden wir abgeholt. Außer uns war ein Ehepaar aus Hannover mit an Bord die eine ähnliche Tour wie wir durch die Karibik machten.
Katharina ist seit über zwanzig Jahre auf der Insel und wie Silja mit einem Tobagonian verheiratet und hat zwei hübsche Töchter. Sie hört sich selber gerne Reden, weiß viel über die Insel zu erzählen, kennt alle Vögel und Pflanzen (mit ihren lateinischen, deutschen und englischen Namen), aber nicht alles mitgeteilte war unbedingt Tour-relevant. Manchmal entfernte sich so weit vom Thema, dass sie fragte „was wollte ich jetzt sagen?“ Ehrlichkeitshalber muss ich dazu sagen dass auch wir (Klaus, Cornelia und wir) im Laufe des Tages oft in die große weite Welt abdrifteten und uns nicht andauernd auf die Landschaft Tobagos konzentrierten.
Wie gestern folgen wir zuerst die Nordküste. Tobago hat 300km², es wohnen aber nur 55.000 Menschen hier. Der Nordosten ist fast menschenleer. Nur an den Buchten gibt es kleine Communities, oft mit einigen Guesthouses und Restaurants. Die Natur ist durchweg üppig. Die Leute wohnen hier im Paradies, vor allem die in den kleinen Siedlungen auf den Bergkuppen. Hier ist es einige Grad kühler und es weht ein frischer Wind.
Katharina beschrieb Fruchtbäume und bemerkenswerte Pflanzensorten, zu viel zum Speichern. Ich saß neben ihr, die Hannoveraner mittig und Christian ganz hinten. Er kriegte von ihrem Geplapper gar nichts mit.
Neben einem gigantischen Brettwurzelbaum machten wir halt um was zu trinken. Die Äste waren überzogen mit Kletterpflanzen und Bromelien. Ähnlich üppiger Natur habe ich nur in Bioko (früher Fernando Póo - Äquatorial Guinea) oder Sao Tomé gesehen.
Die Landschaft wurde immer menschenleerer, ab und zu sahen wir von weit oben einige Häuser an den kleinen Stränden. In den Bergen wohnen die Leute fast übereinander, die Häuser kleben am Hang. Alle Häuser haben schattige Terrassen und Balkons. Überall in den Wäldern ragen riesige orangefarbig blühende Bäume heraus, wunderschön. Vögel sahen wir wenig, da muss man sich wohl mehr Zeit nehmen und durch den Dschungel spazieren.
Wir machten einen kurzen Abstecher zu einem kleinen Wasserfall. Der Weg führte entlang des Flüsschens unter riesigen Bambusstauden. Diese seien nicht endemisch und breiten sich auf Tobago aus wie Unkraut. Sie sehen aber toll aus. Einmal mussten wir den kleinen Fluss über wackelige Steine überqueren. Gut das Christian seine Wanderstöcke dabei hatte.
Der Wasserfall stürzte sich über steile Felsen in ein Becken. Ringsherum waren die steilen Wände üppig bewachsen. Es saßen zehn oder zwölf Touristen herum. Cornelia und Klaus plumpsten gleich ins kalte Wasser, ich schließlich auch. Es war toll, richtig erfrischend! Leider gab es nur Platz zum Planschen.
Ein großer Teil des Nordostens ist seit 1776 Nationalpark. Hier machten wir kaum noch Stopps, es war schon zwei Uhr und wir bekamen Hunger. Cornelia war unterzuckert oder es gab zu viele Haarnadelkurven, ihr ging es gar nicht gut. Wiederholt musste sie aussteigen und sich über die Böschung lehnen.
Um drei waren wir endlich am anderen Ende der Insel angekommen und gab es was zu essen. Alle Touristen schienen den gleichen Tagesablauf zu haben, denn alle waren zur gleichen Zeit hier. Jamma’s scheint ein sehr bekanntes Restaurant zu sein und befindet sich in einem langgezogenes gingerbread Haus (ähnlich wie das Oloffson in Port-au-Prince) direkt am Atlantischen Strand. Eine straffe Brise fegt durch die obere Etage wo das große Restaurant untergebracht ist. Ich musste gleich einige Panels schließen um morgen nicht flach zu liegen. Das Essen war hervorragend. Katharina hatte schon vor unserer Ankunft angerufen und wir mussten nicht allzu lange warten. Christian hatte Huhn bestellt, wir vier Fisch. Die Zutaten teilten wir: Gemüsereis, verschiede Gemüsen, Brotfruchtauflauf, frittierte Teigbällchen, Salat. Reichhaltig und sehr, sehr lecker. Dieses gute Essen machte den hohen Preis des Ausflugs etwas erträglicher (umgerechnet etwa €132).
Beim Essen erzählte ich etwas von meinem Arbeitsplatz und den celebreties die öfters zu Gast seien. Da konnte Katharina gut mithalten: „Kennst du Günther Lamprecht?“ fragte sie. „Na klar“ antwortete ich, „er und seine Freundin sind seit 30 Jahre Stammgäste bei uns, ich kenne sie gut.“ „Dann bestell doch mal einen lieben Gruß von der Katharina! Sie haben mit mir eine Tour gemacht. Ich erinnere mich noch dass er den Brotfruchtauflauf sosehr liebte!“ „OK, mache ich gerne, falls sie noch mal kommen, aber beim letzten Besuch wirkte Herr Lamprecht schon nicht mehr sehr fit.“
Auf dem Rückweg entlang der stürmischen Atlantischen Küste ging es Cornelia wieder schlecht. Sie musste raus, einige Kilometer weiter noch mal. Jetzt ging es bei ihr richtig los. Sie übergab sich über ein kleines Mäuerchen. Der Platz sei gut gewählt meinte sie kurze Zeit später humorvoll, der könnte Katharina bei ihren Gästen empfehlen, und dann noch: „Das war richtig lecker, das Essen war noch nicht verdaut!“ Trotz ihres Humors hatte sie die letzten Stunden bis zu ihren Coco Reef Hotel ganz schön zu kämpfen. Wir tauschten unsere Plätze, vorne wird man eigentlich weniger schnell Wagenkrank.
Die Südostküste ist viel dichter bevölkert als die Nordwestküste, vor allem wenn man näher an Scarborough heran kommt, der Verkehr ist auch dichter, man kommt nur langsam voran. Als wir endlich wieder in Crown Point ankamen war es schon dunkel. Wir hatten einen sehr schönen Tag gehabt. Was mir am meisten überrascht bei Tobago ist dass diese außerordentlich schöne Insel so naturbelassen und ursprünglich geblieben ist. Nur einige Flugstunden nördlich von hier liegen die VS und Kanada, man würde denken, hier müsste es zugehen wie auf Mallorca oder Gran Canaria. Nichts desgleichen, die wenigen Touristen fallen kaum auf, es gibt nur zwei oder drei größere Hotels, meistens nur Guesthouses wie unser Bananaquit mit nicht mal zehn Zimmern.
Die Schafe waren nicht da, ich schlief diese Nacht besser. Nur hatte Christian die Aircon ein bisschen sehr oft an und ich fror. Für die kommende Nacht hat er mir aber erlaubt die Klimaanlage auszuschalten wenn es mir zu kalt wird.

Frühstück machen wir in eigener Regie, Christian macht morgens Toast with Ham and Cheese in dem kleinen Öfchen, very British.
Heute steht eine Tour an zur Inselhauptstadt Scarborough. Katharina hatte uns ausführlich erklärt wo wir die Bustickets für 2TT$ kaufen konnten, wie der Bus aussah und wo die Haltestellen waren. Ziemlich überflüssig. Wir sahen wie jemand in ein weißes Auto stieg und konnten gleich mit zusteigen für pro Person 6TT$, etwa €0,75.
Das Taxi fuhr die halbe Strecke über dem Highway, danach die Küstenstraße wo Silja uns schon langgefahren hatte. Im gleißenden Morgenlicht sah die Bucht fantastisch aus, Grün, Blau und Türkis schimmert das Wasser. Gerade fuhr die Fähre aus Trinidad ein.
Scarborough war hübscher als sein Ruf. Eigentlich gab es nichts zu sehen, aber der Ort ist schon gelegen zwischen den Hügeln und das Meer. Die Main Street ist busy und bunt. Die Häuser sind in den unterschiedlichsten Farben gestrichen worden, es hängen bunte Werbeplakate herum. In den Gärten blühen die Büsche, die Palmen wedeln im Winde und überall ist der Rasen makellos kurz und grün. 60% der Tobagonians arbeitet für den Government. Viele dieser Jobs sind eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme: Diese Leute müssen die Insel sauber halten und überall den Rasen mähen. Deshalb wirkt Tobago wie ein riesiger botanischer Garten.
Mehrere Straßen führen von der Bucht nach oben zum 140m hoch gelegenen Fort George. Wir passierten eine makellos gepflegte Methodistenkirche aus 1824. Unterwegs nach oben gibt es alte Villen in großen Gärten aus der Kolonialzeit. Die Leute wohnen hier sehr, sehr schön.
Die riesigen Bäume unterhalb des Forts müssen wohl aus der frühen Kolonialzeit stammen. Die weitverzweigten Äste sind überwuchert mit Schlingpflanzen, Bromelien und Orchideen. Wahnsinn! Über die Wiesen flattern unzählige Schmetterlinge, so kenne ich das aus den 50er Jahren.
Der Blick von hier oben ist wunderschön, die grelle Sonne sticht. Auf dem Weg nach unten versuchen wir so viel möglich im Schatten zu bleiben. Auf einmal ist Christians Schweißtuch weg. Eine Katastrophe! Trotz Hitze lief er gleich wieder bergauf. Gottseidank lag er nach ein paar hundert Meter weiter auf der Straße, der Tag war gerettet!
Um die Hitze kurz zu entfliehen aßen wir ein Flügelchen bei KFC. Schon wieder KFC! Aber es scheint hier kaum etwas anderes zu geben! Die einheimischen Restaurants bieten den gleichen fettigen Fraß an, kein Wunder dass man bei vielen Frauen vier oder auch sechs Maß Bier stabil auf den Hintern platzieren könnte. Die Leute bewegen sich zu wenig. Außer uns war oft kaum jemand zu Fuß unterwegs. Hier die Benzinpreise: Premium unleaded TT$5,75 Super unleaded TT$2,20 Diesel TT$1,50 geteilt durch 8,4!!!! Benzin ist hier billiger als Wasser!
Mit einem Taxi fuhren wir die 13km zum Pigeon Point bei uns in Crown Point für TT$75. Die Fahrerin hatte jahrelang in den VS gewohnt. Mit ihr konnte man normal sprechen. Von dem Pigeon-English der meisten Leute verstehe ich nicht viel. Im Gegensatz zu mir fand sie das Tobago gar nicht amerikanisiert sei. (und was ist mit dem Fraß, die breiten Straßen, die Car-Culture, die Billboards, die hohen Poles mit den Strom- und Telefonleitungen, die Hiphop- und Rapmusik?)
Der Pigeon Point ist der schönste Strand von Tobago, der schönste Strand von T&T, der Karibik, sogar der Welt. Wie viele schönste Strände der Welt ich schon gesehen habe! Der Palmenwald hinter dem Strand ist wirklich toll. Wir liefen zu dem Wahrzeigen Tobagos, der kleinen Seebrücke mit der Hütte. Von hier sieht man wie sich die hohen Palmen über den Strand schmiegen, bis über das türkisfarbige Wasser.
Wir versuchten ein schattiges Plätzchen zu finden, aber die waren alle belegt. „Peter, Peter!“ hörte ich. Die Hannoveraner hatten mich gesehen. „Wo ist Christian?“ fragten sie. „Der sitzt auf einen Bank im Schatten, wir kommen gleich noch mal vorbei.“
Sie zögen dem Pigeon Point ihr Hotelstrand vor, der schützende Damm ließe keine Wellen zu. „Das Wasser da ist wie eine warme Badewanne und der Pool ist zu klein“ sagte Klaus. Und das für €220 pro Nacht!
Wir planschten durch die Flutlinie und ich suchte bunte angerostete Kronkorken. Muscheln darf man ja heutzutage nicht mehr mitnehmen und irgendein Souvenir möchte ich schon mit nach Hause nehmen! Nach einer Cola bummelten wir nach Hause.
Um halb sechs wurden wir von Silja und ihre hübsche Tochter Anaish (schreibt man den Namen so?) abgeholt. Herr Heinzes siebenjärige Enkelin durfte sagen wohin. Natürlich Pizza! „Die haben einen Steinofen!“ sagte sie.
Von unserer Pension bis dahin war es nicht weit. Unterwegs sahen wir uns noch das Coco Reef Hotel an. Sehr schön, aber ein bisschen sehr zuckersüß mit den vielen weißen Frauenstatuen.
Die Pizzas in „La Cantina“ waren riesig, gut dass wir nur zwei bestellt hatten. Anaish war ein braves Mädchen, bevor die Pizzas kamen machte sie noch ihre Hausaufgaben. Silja erzählte über die Insel, wir von Berlin. Wir bummelten zurück und verabschiedeten uns. Es war nett gewesen so weit von zu Hause einen Abend mit einer deutschen Familie zu verbringen.

Wieder viel zu früh waren wir am Flughafen. In drei Minuten waren wir eingecheckt, Christian schaute sich die Leute an, ich nutze die Zeit für diesen Bericht.
Nach zwanzig Minuten Flug waren wir wieder in Trinidad. Christian hatte über das Hotel ein Taxi bestellt, aber egal wo wir schauten, keiner hielt ein Schild mit „Inn at 87“ hoch. Wir warteten noch eine Weile und fuhren dann mit einem indischen Taxifahrer in die Stadt.
Port of Spain sieht sehr international aus. Dies könnte überall sein. Die Fabriken oder Lagerhallen, auch die Einkaufszentren und Werbeplakate tragen indische Namen. Da sieht man wer wirtschaftlich hier das sagen hat. Die Bevölkerung besteht zu etwa 40% aus Indern, etwas weniger Afrikanern, der Rest ist bunt gemischt oder kommt sonst woher. Das Erste was auffällt ist die Sauberkeit. Überall sind die Straßenränder gemäht und eingepflanzt mit Palmen und blühenden Büschen. Es gibt kaum Müll. So könnte es in Berlin auch aussehen. Wie viele Leute da zu Hause sitzen und sich langweilen! Die könnten doch auch mal Müll einsammeln!
Vom Flughafen zum Hotel sind es 25km. Ab und zu standen wir auf der sechsspurigen Autobahn im Stau, kamen aber relativ schnell durch.
Die 94m hohen Twin-Towers der Nationalen Bank sind das Wahrzeichen von Port-of-Spain. In unmittelbarer Nähe stehen weitere zehn oder zwölf Wolkenkratzer, sonst hat die Stadt eher ihre koloniale Traufhöhe behalten.
Unser Hotel „Inn at 87“ befindet sich in einer ruhigen Straße etwas abseits des Zentrums. Es ist eine alte Villa aus dem Anfang des letzten Jahrhundert und stilecht renoviert worden. Die indische Dame am Empfang entschuldigte sich drei, vier Mal dafür das wir nicht abgeholt worden waren. „I don’t know how this could happen, I am so sorry” sagte sie immer wieder. Egal, hatten wir doch statt US$35 nur 30 bezahlt.
Das Hotel war wirklich sehr schön, ein Ambiente wie damals: alte Holzböden, Decken mit Stuckleisten, polierte Holzmöbel, schöne Teppiche. Das Zimmer war auch sehr schön. Dies ist ja kein fünf Sterne Haus, trotzdem war das Zimmer perfekt eingerichtet: alles richtig. Große Betten mit vier Kopfkissen plus zwei weinrote Deko-Kissen, strahlend weiße Bettwäsche, ein weinroter Schal als Tagesdecke, schöne Vorhänge in passender Farbe. Und was selten ist: die schönen Bilder an der Wand hängen genau auf der richtigen Höhe, so was gibt es leider selten in Hotels. Das Bad, ganz in weiß, hat genügend Abstellfläche. Alles perfekt, wir freuen uns auf die nächsten vier Tage.
Die indische Chefin, ihre Vorfahren kamen aus Suriname auf die Insel, lud uns gleich ein für ein complementary breakfast. „How would you like your eggs?“ fragte die junge Dame aus der Küche. Beim Frühstück lief alles perfekt ab.
Nach dem Frühstück musste Christian sich noch kurz hinlegen, wir warteten sowieso auf einem Anruf von Harry, ein Bekannter von Katharina. Christian schlief als er anrief. Er würde uns am Sonntagmorgen um neun abholen. Er fragte 25US$ pro Stunde.
In Port-of-Spain war es wärmer als auf den kleinen Inseln. Wir wollten schauen von wo das Water-Taxi nach San-Fernando abfährt. „That is too far to walk“ hatte uns die Rezeptionistin gewarnt. So ein Unsinn, um zu mehr wo der Verkehr in der Stadt im Dauerstau steht. Kein Mensch läuft hier durch die brennende Sonne, lieber im Aircon im Auto im Stau stehen. (Es gibt in T&T 740.000 zugelassene Autos bei weniger als 1,4 Millionen Einwohnern.) Übrigens sagen die Trinis über spazieren gehen in Port-of-Spain: bestenfalls schwitzt man, schlimmstenfalls wird man erschossen. Ich bewunderte und fotografierte die viele schönen Häuser, Christian kämpfte mit der heißen Sonne. Schließlich konnten wir uns in die kühle Halle des Hyatt Hotels am Meer flüchten.
Keine dreihundert Meter weiter ist die Abfahrtstelle von dem Water-Taxi, es fuhr gerade ab. Gut das wir zu spät waren. Wären wir eingestiegen, hätten wir vielleicht ein Problem gehabt wieder zurück zu kommen. T&T haben ein massives Kriminalitätsproblem und stehen auf der Rangliste „Morde pro Kopf der Bevölkerung“ in der Welt an fünfter Stelle. Gestern las ich in der Zeitung dass es in Januar schon 42 Morde gegeben hat, in Januar 2013 waren es nur 35. In 2008 hat es über 550 Morde gegeben, das sind etwa zehn pro Woche! Jeder will vor Dunkelheit zu Hause sein. Schon am späten Nachmittag läuft nichts mehr, die Geschäfte schließen früh.
Im Waterfront-Centre aßen wir Indian Chicken Curry. Eine Portion reicht für zwei. Wir wollen schließlich nicht so fett werden wie viele Leute hier. Es ist wirklich erschreckend wie manche hier aussehen. Es soll dadurch auch ganz viele Diabetesfälle geben hatte uns Silja erzählt.
Zwei Straßenblocks weiter liegt der Independence Square, mehr Straße als Platz, sie sieht aus wie Unter den Linden in Berlin. Auf dem Mittelstreifen ist viel los. Die Leute klönen auf den Bänken, es gibt Getränkestande. An einem Stand wurde Puri, in Öl gebratene Fladenbrote mit Kichererbsencurry verkauft. Manchmal war ein Stand von zwanzig oder dreißig Leuten umlagert. Eine Frau stand erhöht am Herd und legte in Windeseile drei Puris auf ein Stück Papier, schöpfte eine Kelle Kichererbsencurry darauf, drei Sorten Gewürz dazu und wickelte es ein, alles unglaublich schnell. Ein Mann mit einem dicken Bündel Scheine in der Hand kassierte ab. Als Beweis dass die Leute bezahlt hatten bekamen sie eine weiße Papierserviette zugesteckt. Er zeigte ihr wohin mit der nächsten Portion. Das ging alles in einem Tempo, Wahnsinn!
Das Ende des Platzes wurde die Cathedral of the Immaculate Conception gerade renoviert. Ein Stück zurück liegt die Frederick Street. Hier tobt der Bär, es ist die rastlose Einkaufsstraße von Port of Spain. Es gibt zahllose Läden, jedes freie Plätzchen wird von Marktständen belegt. Einige alte Häuser sind erhalten geblieben, ihre alten Balkons sind oft verglast um die obere Etage zu vergrößern. Einige Häuser wurden zusammengefügt als größeres Einkaufszentrum. Oben gab es einen Food Court. Hier aßen die Leute ihre riesigen Portionen auf dem klimatisierten Balkon.
Christian kaufte unten Kuchen. Er bekam ein Tütchen zu viel und brachte es zurück, die Verkäuferin war ganz erstaunt. Einige Häuserblocks weiter wurde es ruhiger, hier liegt der Woodland Square. Dieser Park wird umgeben von Kirchen, Rathaus, Parlament und weiteren öffentlichen Gebäuden. Wir fanden ein schattiges Plätzchen und aßen unsere Kuchen. Es war eine große Bühne aufgebaut worden, es sollte später eine Show geben.
Wir liefen weiter durch die Frederick Street zum Memorial Park. Hier sollte es einen Auftakt zum Karneval geben. Vor uns hörten wir schon die Musik. Ein LKW mit lauter Musik kam uns entgegen, die Polizei stoppte den Verkehr. Dahinter vielleicht dreißig Kostümierte, fast die Hälfte auf Stelzen. Gut gemacht, aber ein bisschen wenig vor so viel Krach.
In dem Queen’s Park Savannah fanden die Aufbauten für den nahenden Karneval statt, eine Tribüne stand schon, eine zweite wurde ihr gegenüber aufgebaut. Morgen würden wir uns das alles noch mal ansehen.

Heute ist Samstag und wir werden den Tag in dem grünen Herzen von PoS verbringen. Eine Reihe von sieben historischen Bauten gegenüber dem Queen’s Park Savannah werden „The Magnificent Seven“ genannt. Gestern Abend hatten wir das Queen’s Royal Collage schon bewundert, aber ich konnte das imposante Gebäude im Gegenlicht nicht fotografieren. Jetzt stand die Sonne perfekt. Nebenan steht das Hayes Court, Sitz des anglikanischen Bischofs, daneben noch fünf Villen, manche sehen aus wie Schlösser. Einige stehen leer und müssen dringend renoviert werden. Es mangelt wohl an Geld. Die hätten besser die National Academy for the Performing Arts Centre in der Nähe etwas kleiner gebaut. Dieses Theater sieht ein bisschen so aus wie die Oper in Hongkong, nur schöner, aber viel zu groß für diese 45.000 Seelen Stadt.
Ein Teil des Botanischen Gartens ist der schöne Zoo. Die Anlage wirkt sehr sauber und gepflegt, sehr tropisch. Leider sind viele Käfige zu klein, es waren aber große Umbauten im Gange. Im hinteren Teil des Zoos wird eine afrikanische Savannenlandschaft gestaltet, der bengalische Tiger bekommt ein größeres Gehege, die Affen ebenso. Wir schauten uns vor allem die einheimischen Tiere an und spazierten anschließend durch den Botanischen Garten. Wie überall im Land ist es auch hier sehr gepflegt und sauber. Viele Familien machen hier picknick. Die Männer sitzen herum, die fetten Frauen sind ununterbrochen irgendwas am Vorbereiten, die hübsch zurechtgemachten Kinder spielen auf dem Rasen. Wie kann so ein zivilisiertes Volk so gewalttätig sein?
Am Ende des Gartens steht der Präsidentenpalast. Der wunderschöne Vorgarten ist zugänglich. Von hier sieht man, dass ein Teil des Palastes eingestürzt ist. Was ist denn da passiert?
Hinter dem Park steht das Hilton Hotel auf einem Hügel. Unsere liebe Tante aus dem fernen Hallen hat hier vor 30 Jahren während ihrer T&T-Reise gewohnt. Viel scheint sich seitdem nicht verändert zu haben. In dem ollen Kasten wurde damals viel Geld investiert. Es wimmelt von Korridoren, Pavillons, Gängen und Luftbrücken. Das Hotel steht auf dem Kopf. Die Halle ist oben, die Zimmer unten. Die erste Etage liegt unmittelbar unter dem Restaurant, die zwölfte Etage steckt mit dem Fußboden in dem schlammigen Boden. Vom Dachgarten des Hotels gab es eine fantastische Aussicht über die Stadt. Barack Obama stand in 2008 hier. Seitdem schien die Terrasse nicht mehr aufgeräumt worden zu sein, so ein Saftladen. Christian war empört obwohl wir hier gar nicht zu Gast waren.
Oder nur kurz. Mangels Alternativen in diesem Teil der Stadt aßen wir beiden einen Salat und tranken eine Flasche Wasser im „Pool-Restaurant. Christian bekam einen Greece-Salat ohne Feta-Käse, ohne alles. Der Kellner hatte Green-Salat verstanden. Er bekam die Sachen jetzt extra. Alles zusammen 231TT. Satt wurden davon nicht, aber wir schafften das letzte Stück um den riesigen Park.
In der Nähe der Tribünen war ein großes Zelt aufgebaut worden. Eigentlich schauten wir nur rein weil wir eine Toilette suchten. Es fand gerade ein Probe statt. Wir hörten eine Zeitlang zu. Eine dominante fette alte Sängerin bestimmte den Ablauf des Orchesters und der anderen Sängerinnen. Und das alles mit einem Selbstbewusstsein, unglaublich! So eine fette Kuh würde sich bei uns kaum in der Öffentlichkeit zeigen.
Draußen gab es was zu essen, wir nahmen eine Portion Grillhuhn mit Pommes mit nach Hause. Die Gegend um die Tribünen wurde von Steelbands beherrscht. Hatten wir ein Glück dass die gerade heute hier ihre Vorentscheidung für den Karneval hatten! In Gruppen von dreißig oder mehr hämmerten sie auf ihre Steelpans. Es ist unglaublich wie sie ohne Noten so komplizierte Stücke so perfekt synchron spielen können.
Ich lief von Band zu Band und machte ein Video. Leider hat Christian wenig Geduld für so einen Quatsch. Ich hatte gerne bis zum Ende zugehört.
Auf der Terrasse von unserem Hotel aßen wir unser mitgebrachtes Essen. Man muss in diesem Land wirklich nicht hungern, aber das Angebot ist sehr einseitig. Entweder gibt es Fressmeilen wie im Park, am Hafen oder Einkaufzentren, oder amerikanische Ketten wie KFC, MacDonalds oder Burger King, Subway oder TGI Fridays. Einheimische Kettenrestaurants gibt es auch, aber die bieten dasselbe an. Kleine Restaurants mit einheimischer Küche haben wir gar nicht gesehen.

Harry würde sich eine Viertelstunde verspäten sagte uns die Rezeptionistin. Er hätte sich zu lange mit seinen sechs Hunden befasst sagte er später entschuldigend. Er war vor zwanzig Jahren zum ersten Mal hier, hatte sich verliebt und heirate. Zuerst wohnten sie in Deutschland, später hier auf Trinidad. Die Ehe hielt zehn Jahre, seine liebe für Trinidad blieb bis jetzt bestehen.
Via Arima fuhren wir in die Berge. Dieser Teil von Trinidad ist stark besiedelt, man merkt nicht wo eine Stadt aufhört oder die nächste anfängt. Unterwegs wollte er uns einen typischen Snack probieren lassen. Ein Double, der Snack den wir auf dem Independance Square gesehen hatten. Auf einem wilden Parkplatz standen zwei Stände umgeben von parkenden Autos und Leute. Warum die Leute gerade hier ihre Doubles aßen? „Das hat sich so eingebürgert“ sagte Harry. Die Puris mit Kichererbsen waren ganz lecker, aber einen Umweg würde ich nicht dafür fahren.
Harry erzählte allerhand über die indianischen Ureinwohner. 500 würde es hier in Arima noch geben, aber wie „pure“ sie noch sind weiß keiner. Einige Riten haben sich wohl über die Zeiten gerettet, er kannte den Schamanen dieses Stammes.
Die Berge sind ganz dünn besiedelt, aber es gibt einige Plantagen. Langsam führen wir immer höher in das über 900m hohen Bergland. Die Vegetation ist hier sensationell. Es gäbe hier Täler mit mehr als 4000mm Niederschlag pro Jahr, das entspricht die siebenfache Menge von Berlin.
Eine alte Plantage wurde von Vogelliebhabern aufgekauft und renaturalisiert. Das alte Gutshaus dient jetzt als Hotel und als Vogelbeobachtungsstation. Wir durften kurz die Ava Wright Lodge besichtigen. Einige Berühmtheiten haben die Lodge auch schon besucht, ich sah Bilder von Charles und Camilla an der Wand.
Auf der Terrasse sahen wir einige Kolibris, aber die lassen sich mit einer einfachen Kamera wie die unsrige kaum fotografieren.
Die Durchquerung der Berge dauert lange. Die Straße ist schal und schlecht, glücklicherweise gab es wenig Verkehr. Wir hielten einige Male an, Harry erklärte uns einige Pflanzen und ich fotografierte die üppige Natur.
Es war schon zwei Uhr als wir das Meer erreichten. Es ging noch einige Kilometer nach Osten bis einer alten Brücke. Hier war die Welt zu Ende, das aber mit lauter Musik. Einige Trinis machten hier Picknick. Die Frauen bereiten das Essen zu, die Männer hängen neben dem Auto herum, Türen und Fenster auf, Musikanlage full blast.
Ein Stückchen zurück sagte Harry hallo bei einem Österreicher (schon 80 Jahre alt und noch voll im Geschäft) und seiner asiatischen Frau. Ihr Restaurant und die Terrassen waren voll besetzt. Wir wollten lieber was authentischeres und nach einem kurzen Besuch an dem traumhaften Strand fuhren wir nach Maracas Bay um da Bake & Shark zu essen.
Die Nordküste von Trinidad ist genauso bewaldet wie das Bergland und kaum besiedelt. Die Berge fallen steil ab ins Meer. Es gibt einige Punkte von wo man die Steilküste mit seinen Buchten, Halbinseln und kleinen Inseln sehen kann.
Christian hatte schlechte Laune. Es war jetzt fast drei Uhr und wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, bis auf dem Double, der er aber nicht gewollt hatte.
Endlich erreichten wir den Maracas Bay, the Hot Spot of Trinidad, ganz PoS scheint sich hier zu versammeln. Wir hatten Glück noch einen freien Parkplatz in dem Meer von Autos zu finden. Die Bucht und der von schlanken Palmen beschattete Strand waren wunderschön. Die Trinis gehen nicht zum Strand um zu baden oder braun zu werden sondern um zu „limen“, auf Neudeutsch, abzuhängen (pro-aktiv Nichtstun). Sie sitzen in Gruppen unter den Palmen und lassen es sich gut gehen. Auf der anderen Straßenseite, inmitten dem Meer von geparkten Autos gibt es mehrere Buden die Bake & Shark anbieten. Nur hier gibt es die authentischen Haifischbrötchen wofür die Bucht so berühmt ist. Und die besten gibt es bei Richard’s. Harry freute sich dass die Schlange vor der Bude nicht allzu lang war. Er holte Cola und die Brötchen, wir bewachten unseren Tisch. Jetzt standen wir nacheinander auf um unseres Brötchen aufzupeppen. Neben uns war ein großes Büffet aufgebaut mit Salaten und Soßen. Auch hier musste man wieder anstehen um sich bedienen zu können, für mich Zeit die hübschen Leute zu bewundern. Die übergroße Mehrheit waren Inder, aber es gab auch einige umwerfend hübsche Neger. Oft lässt sich die Herkunft gar nicht bestimmen, es gibt ja viele Mischlinge. Außerdem sind manche Inder so rabenschwarz, dass man nur an den glatten Haaren sehen kann dass sie keine Afrikaner sind.
Das Haifischfleisch schmeckte eher wie Huhn als Fisch und war ziemlich geschmacklos. Nur die Soßen und Salate brachten den Geschmack.
Nach einigen weiteren Stopps an der Steilküste fuhren wir zurück nach PoS. Harry zeigte uns noch einen Hindutempel und brachte uns nach genau acht Stunden zurück zu unserem Viertel Newtown. Christian dachte mal eben noch Getränke kaufen zu können. Pustekuchen! Der Heilige Sonntag ist hier noch heilig und alles hatte zu.

Heute ist Montag und es ist unser letzter Tag in T&T. Wie immer war ich schon früh wach und typte auf der Terrasse vor dem Hotel ein bisschen an diesem Bericht herum. Christian holte mich ab und wir frühstückten zeitig in der Hoffnung den neun Uhr Bus nach San Fernando zu kriegen. „Was wollt ihr denn da?“ hatte Harry gestern gefragt. „Da gibt es doch nichts zu sehen!“ Im Allgemeinen scheinen Touristen nur dahin zu fahren wo es Sehenswürdigkeiten gibt. Ohne Sehenswürdigkeiten scheint ein Ort nicht würdig zu sein besucht zu werden, auch nicht wenn es die zweitgrößte Stadt des Landes ist.
Wir schafften den Bus gerade so. Die couch-busse fuhren nicht wie gedacht von dem früheren Hauptbahnhof ab sondern drei Straßen davor. Christian schimpfte bei der Hitze die fast gleiche Strecke noch mal lang laufen zu müssen. In der St. Vincent Street, unmittelbar bei den Twin-Towers standen zwei Busse vor der Tür. Der zweite fuhr nach San Fernando. Eigentlich war es jetzt Punkt neun, aber der Fahrer wartete auf uns. Schnell kauften wir innen die Fahrkarten. Wir sollten uns hinsetzten. Wieso denn das? Der Bus steht doch noch da! Hier ticken die Uhren anders. Die Trinis sagen, die Europäer hätten die Uhr erfunden, sie aber die Zeit!
Zunächst standen wir im Stau, später war die Strecke frei. Für die 40km brauchten wir fast anderthalb Stunden. Trinidad ist hier Flach, die Berge gibt es im Norden. Ab und zu war ein Hindutempel zu sehen oder ein kleines Taj Mahal. Das Zentrum der Insel wird vor allem von Indern bewohnt, weil es hier die besten Böden gibt. Die früheren schwarzen Sklaven wohnen eher in PoS oder in den Städten ganz im Süden.
Auf halbem Wege kamen wir durch Chaguanas. Diese unbekannte Stadt hat mit 65.000 die höchste Bevölkerungszahl des Landes. Es ist eher eine stark besiedelte Gegend wie ein Ort. Hier gibt es viel Industrie. Man sieht bekannte Markennamen, aber auch viele indische Namen auf den Fabrikhallen. Alles wirkt sehr modern. Diese Stadt konnte auch in Amerika oder Südost Asien liegen.
Irgendwie scheint die Stadt von Norden nicht zugänglich zu sein. Man fährt um die ganze Stadt herum und erreicht das Zentrum schließlich von Süden.
Das Wahrzeichen von San Fernando ist ein kleiner Berg im Stadtzentrum, den wir aber aus Sicherheitsgründen nicht bestiegen. Die Stadt wirkt sehr lebendig. Hier gibt es viel mehr Läden als in PoS. Daran sind wahrscheinlich die vielen Inder verantwortlich die hier wohnen. Vor jedem Geschäft steht ein Anquatscher der Flyer verteilt oder einen gleich in den Laden lotsen will. Wenn man irgendetwas anguckt ist gleich ein Verkäufer zur Stelle. Die Preise sind etwas höher als bei uns - wir sind hier weiter weg von Asien - oder die Importzölle sind hier höher.
Wir liefen das ganze Stadtzentrum rauf und runter und aßen in einem brandneuen Food Court. Christian aß chinesisch, ich indisch. Hähnchen, grüne Bohnen und Kartoffelbrei für etwa 3€. Wenn man will kann man in T&T sehr billig leben. Nur dauert es immer ein paar Tage bis man so etwas weiß. Kennt man einmal alles fährt man wieder ab und fängt im nächsten Land wieder bei null an.
Nach drei Stunden shoppen und fotografieren fuhren wir zurück nach PoS. Noch ein letzter Bummel durch die Stadt und unsere schöne Zeit in T&T ist zu Ende. Morgenfrüh um 6.40 fliegen wir nach Grenada.


Grenada

04 Febr. – 09 Febr. 2014

UN Member Nr. 151
MTP Nr. 390 und 391

Im Urlaub um 3.30 aufstehen zu müssen ist brutal. Christian schlief nur zwei Stunden, ich ein bisschen länger, aber ich fühlte mich den ganzen Tag völlig daneben.
Irgendwie schläft man vor einer frühen Abreise unruhig, um zu mehr, da bei der Anreise vor vier Tagen unsere Abholung nicht geklappt hatte. Auch jetzt wurden wir nervös als das Taxi erst um zehn nach vier kam.
Wie so oft gab es Gospelmusik. „Jesus is always there“ sagte der Fahrer, „he is real even when you don’t see him…..” und es folgte eine Geschichte über die Täler seines Lebens und wie Jesus ihn wieder über den Berg geholfen hatte.
Ich nutze die Wartezeit am Gate für diesen Bericht und schlief während des halbstündigen Fluges noch mal ein. Bei unserer Fahrt zum Flughafen hatte es geregnet, jetzt hoch über dem Meer durchflogen wir dicke Wolken. Die Maschine wackelte ganz schön, ich wurde wachgerüttelt und versuchte dann meine Landungskarte lesbar auszufüllen. Wir landeten fast auf dem Wasser, die Landebahn liegt auf dem aller südlichsten Punkt der Insel, wohl das einzige Stückchen Flachland hier auf Barbados.
Niemand hielt ein Schild „Mango Bay“ hoch, aber nach wenigen Minuten fuhr ein Auto mit diesem Namen auf der Tür vor. Der Fahrer war ein Rastafari der lange in New York und Kalifornien gewohnt hatte und deshalb gut zu verstehen war. Waren Katharina und Harry schon nicht auf dem Mund gefallen, schlug dieser Typ alles. Er ließ mich kaum zu Worte kommen und so lief die Anreise anders als geplant. Ich hätte eine Inselrundfahrt gegen den Uhrzeigersinn machen wollen um am Mittag zum Hotel zu kommen, er fuhr, nachdem wir unterwegs Geld getauscht und ein Double gegessen hatten in Richtung St. George.
In einem großen Supermarkt kaufte Christian nur Getränke und ein Brötchen in der Annahme dass wir noch den ganzen Tag unterwegs sein würden. Weil Küche vorhanden wollte er später frische Sachen einkaufen. Aber statt die Insel zu durchqueren zur Ostküste standen wir auf einmal vor dem Hotel.
Wir konnten schon einchecken obwohl das Hotel nur fünf Zimmer hat, nur zwei Zimmer schienen belegt zu sein. Das Hotel ist wirklich sehr, sehr schön. Es liegt einsam am Hang am Ende eines schlammigen Weges inmitten einer Mango Plantage. Im Haupthaus weiter oben gibt es wohl ein großes Appartement was vermietet werden kann. Auch die kleine Küchenmaus der beim Kochen seine Rasta Locken in einem weißen Netzchen versteckt wohnt oben im Haupthaus.
Etwas weiter unten gibt es unmittelbar neben einander zwei Häuser mit zwei Zimmern. Wir wohnen oben und haben eine grandiose Aussicht auf die Küste und das Karibische Meer. In weiter Ferne gibt es keine Bebauung zu entdecken nur am Ende der zweiten Bucht gibt es einige Häuser.
Die Zimmer sind sehr schön gebaut. Perfekt! Das pyramidenförmige Dach wird gestützt von weißen Balken, die Bretter sind naturfarben. Die Wände sind Gelb, die Holzrahmen weiß, die Lamellenfenster in einem ganz hellem grün gestrichen. Der Boden ist mit beigefarbigen Fließen gefliest, die Terrasse draußen hat naturbelassene Dielen. Die Wände zwischen Küche, Bad und Wohnzimmer sind nach oben offen, der Ventilator an der Decke hält die Luft in Bewegung, außerdem gibt es Airconditioning. Die Handtücher im hellgrünen Bad sind gelb, die Badetücher grün und die Teller in der Küche weiß-gelb. Ich bin richtig baff. Dies ist wirklich der mit Abstand schönste Bungalow den ich je gesehen habe.
Es war jetzt erst neun Uhr, aber weil wir beide ganz schön knülle waren verschoben wir unsere Rundfahrt auf den nächsten Tag. Nur mussten wir noch mal zum Supermarkt. „The driver is coming“ sagte unsere Kitchenqueen. Wir fragten noch mal und noch mal. „He’s coming! Relax!“ Um zwölf hatten wir keine Lust mehr zu warten, dann fahren wir eben mit dem Bus. In dem Moment war aber ein kleiner Pick-up vorgefahren. Nach weiteren zehn Minuten brachte er uns zu einem Supermarkt einige Kilometer weiter nördlich.
Wie die ganze Küste war es auch hier sehr bergig und sehr grün. Irgendwie sind alle Inseln anders. Grenada ist noch schroffer und felsiger als Tobago. Und die Architektur ist hier anders. In Tobago sind die Häuser nicht schön. Sie sind ziemlich einfallslos aus Beton gebaut, nur weil sie so bunt angestrichen sind und auch weil es so viele Billboards gibt, zusammen mit den chaotischen Strom- und Telefonleitungen, wirkten sie fotogen.
Hier auf Grenada sind die Leitungen manchmal unterirdisch, deshalb wirken die Städte und die Landschaft ruhiger und aufgeräumter. Auch sind die Häuser viel schöner, oft sind es richtige kleine Villen die in den üppigen Gärten stehen. Dass eine schwarze Bevölkerung als Hobby Gartenarbeit hat, finde ich ganz erstaunlich. In Afrika sieht es immer aus wie Kraut und Rüben, da wird vielleicht auf dem Feld mal was angebaut, aber bestimmt nicht im Vorgarten.
Andererseits muss ich sagen dass hier nicht jeder in einer Villa wohnt. Der Unterschied zwischen arm und reich scheint hier größer zu sein, viele hausen in einem kleinen Verschlag.
Das ganze Land ist im Aufbruch, im Radio ertönen patriotische Lieder, das Wort „Independance“ höre ich immer wieder. Das Ländchen putzt sich heraus. Die Bordsteinkanten werden rot, grün, gelb angepinselt und die Häuser mit Fahnen und Fähnchen geschmückt. Wenn ich es gewusst hätte dass der 7.Febr.1974 der Unabhängigkeitstag von Grenada ist, hätte ich die Reise anders geplant. Jetzt fahren wir genau an diesem Tag um neun Uhr morgens nach Carriacou, aber vielleicht wird da auch gefeiert.
Der Supermarkt war viel kleiner als der heute Morgen in St.George’s. Christian war sauer. „Warum macht der Typ nicht gleich die Tour um die Insel? Warum sagt er nicht dass wir zuerst zum Hotel fahren, dann hätte ich doch gleich alles eingekauft?“ Es gab hier viel weniger Angebot und alles war doppelt so teuer. Zurück fuhr ich mit dem Kumpel des Fahrers mit auf der Ladefläche, ein bisschen Afrika-feeling in der Karibik.
Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass der Rasta (Besitzer?) keine Lust hatte mit uns um die Insel zu fahren. Wir hatten es uns auch ganz anders vorgestellt. In dem Reiseführer und auch im TripAdvisor war von einem deutschen Ehepaar die Rede die dieses Hotel führen. „What happened to the Germans, who had the hotel?” fragte ich. Ich bekam darauf keine Antwort. Ich muss noch mal nachbohren.
Heute genossen wir das schöne Zimmer und die herrliche Terrasse. Am Nachmittag verkroch sich Christian in dem gekühlten Zimmer und ich bastelte mir mit dem Bettlaken ein schattiges Plätzchen auf dem nach Südwesten ausgerichteten Balkon. Die Sicht ist wirklich wahnsinnig! Das es in unserer überbevölkerten Welt noch so was gibt! Unglaublich!
Kurz vor Sonnenuntergang liefen wir die 181 Holz- und Betonstufen runter zu dem kleinen Strand. Außer uns war natürlich niemand da. Ich schwamm eine Runde, dann kletterten wir wieder hoch um den Sonnenuntergang vom Balkon aus genießen zu können.
Kurz vor sieben saßen wir auf der Terrasse von dem kleinen Hotelrestaurant. Wie man in einem fünf Zimmer Hotel einen Koch beschäftigen kann, der den ganzen Tag in der Küche herumhängt ist mir ein Rätsel. Aber Kidushi hat heute Abend wirklich ganz lecker gekocht. Es war das erste mal dass wir vegane Küche probierten. Als Vorspeise gab es eine pürierte Cocoloba Suppe, schmeckte gut aber anders, gemüsich, grün. Cocoloba oder so ähnlich ist eine Sumpfplanze, die dicken Stengel sind knapp ein Meter lang, das Blatt 30-40 cm groß und herzförmig. Es wächst wild, aber wird auch angebaut.
Das Hauptgericht war ein dicker Kuchen. Feingeschnittene Kartoffel, Süßkartoffel und Gemüsen waren in einer Backform zu einem festen Kuchen gebacken worden. Schmeckte gut, aber wurde ohne Soße serviert, nur mit einem wenig frischen Salat und ein bisschen gekochtes Gemüse.
Das Desert bestand aus einem Schälchen pürierter Früchte plus ein kleines Törtchen aus Kokosraspeln überzogen mit Schokolade und eisfachgekühlt. Zu dem Essen bekamen wir Wasser und ein Zitrusgetränk. Alles zusammen für US$12 pP.
Das Essen hielt gut vor, ich hatte am nächsten Morgen immer noch keinen Hunger. Christian war nicht so begeistert, er hatte die ganze Nacht mit einem Blähbauch zu kämpfen.

Christian und ich empfinden Temperatur total unterschiedlich. Ihn ist immer zu heiß, ich friere schnell, aber die Hitzeskala ist bei mir nach oben offen. Wir hatten nur Bettlaken und ein Badehandtuch zu Verfügung. Ich hielt es in der Nacht mit der Klimaanlage nicht mehr aus und flüchtete auf die Terrasse. In der Hängematte kann ich gut schlafen, aber richtig warm wurde ich die ganze Nacht nicht mehr, die nächste Nacht verbrachte ich gleich draußen und freute mich die Wellen rauschen zu hören.

Mit dem Bus nach St.George’s zu fahren dauert etwa zwanzig Minuten und kostet knapp ein Euro pro Person. Wir verbrachten fast den ganzen Tag in der Inselhauptstadt. St. George’s ist viel schöner als die anderen kleine Inselhauptstädte die wir bis jetzt gesehen hatten. In grauer Kolonialzeit hatte es mehrere Brände gegeben bis die Engländer das bauen von Holzhäusern im Stadtgebiet untersagten. Die Steinhäuschen und Kirchen von der Zeit nach 1775 stehen jetzt noch und sehen fast immer sehr gepflegt aus. Leider gibt es immer noch viele Ruinen als Folge des Hurrikan Ivan von 2004. Von den vier zerstörten Kirchen wurde nur eins wiederaufgebaut. Auch von dem alten Parlamentsgebäude stehen nur noch die Außenmauern.
Die einzelnen Ruinen tun aber keinen Abbruch an der Schönheit der Stadt. St.George’s liegt einmalig schön auf steilen Klippen zwischen Meer und Carenage / Lagoon.
Wir hatten Glück: heute war ein Kreuzfahrtschiff da und alle waren auf den Beinen um vielleicht was verdienen zu können. Ich sprach kurz mit einem Schwaben der kaum wusste wo er war, oder wo er her kam. So ist das natürlich bei einer Pauschalreise. Man wird wie ein unmündiges Stück Vieh hier und da ausgeladen und kann sich später an nichts mehr erinnern.
Schon 1895 wurde ein Tunnel unter dem steilen Bergrücken fertiggestellt um den Leuten das klettern über den Berg zu ersparen. Wir nutzen den Tunnel um erst mal unsere Tickets für die Fähre nach Carriacou zu besorgen. Erst beim dritten Mal nachfragen fanden wir die unscheinbare Tür mit dem winzigen Büro an der Carenage. Wir bekamen offene Tickets. Übermorgen müssen wir zeitig am Schiff sein um mitzukommen.
Vom Ende der Carenage liefen wir eine Parallelstraße höher um zu den Kirchen und zum Fort zu kommen. Es war sehr heiß und das ewige rauf und runter war für Christian no fun. Die Aussicht von hier oben war aber toll, die Lage der Stadt ist einmalig. Hinter dem Hafen schließen sich gleich die Berge an. Die Leute haben von ihren Häusern am Hang eine fantastische Aussicht.
Wir wurden immer wieder gefragt ob wir ein Taxi möchten. Taxi, Taxi, immer wieder Taxi. Zwischen Hafen und Innenstadt wurde eine riesige Mall gebaut. Hier gibt es die Ein- und Ausreise für die Cruise Gäste und viele, viele Geschäfte die aussehen wie überall. Die meisten seien wohl geschlossen wenn nicht gerade ein Kreuzfahrtschiff da ist.
Christian wollte noch mal zum Supermarkt, ich lief den Festungsberg zum Fort George hoch. Die Sonne war richtig grell heute. Hier oben hat der Sturm wahrscheinlich am schlimmsten gewütet. Von den meisten Häusern stehen nur noch die Mauern. Abgerissen wird aber nichts, vielleicht gibt es noch mal Gelder für den Wiederaufbau. Die Sicht von hier oben auf die Küste, das Meer und die Carenage mit den Bergen dahinter ist einfach toll.
Gerade zurück fuhr das Kreuzfahrschiff unter unserer Terrasse vorbei. Es blieb noch Zeit um eine Runde schwimmen zu gehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Heute gibt es Spagetti mit frischem Salat auf eigener Terrasse. Mit dem Rauschen der Wellen im Ohr type ich noch ein bisschen an diesem Bericht herum, bis ich meine Hängematte aufsuche.

Wie auf jeder Reise gibt es Stress mit meiner Kreditkarte. Christian schaute sich die Abbuchungen der Reise an, auf einmal steht „gesperrt“ hinter meiner Nummer. Wir riefen bei Visa an. Es stellte sich heraus dass wir zweimal versucht hatten eine zu große Summe - 3000 East Caribbean Dollar, etwa €1000 - aus dem ATM abzuholen. Wir hatte beim dritten Versuch 1000 rausgekriegt. Die Karte war wegen dieser undurchsichtigen Transaktion aber automatisch gesperrt worden. Die Karte wurde wieder freigegeben, aber wir konnten den Betrag nicht aufstocken. Das heißt, ab jetzt müssen wir noch sparsamer leben wie bis jetzt, wir stornierten unsere Inseltour und fahren mit dem Bus.

Nachdem ich noch mal den schlammigen Weg zum Hotel zurückgerannt war, um Christians vergessenes Schwitztuch zu holen, konnte es losgehen. Alle paar Minuten fahren Busse vorbei, nur nicht wenn es keinen Schatten gibt und die Sonne sticht.
Endlich kam ein roter Minibus. Inklusive Klappstühle passen drei oder vier Leute in einer Reihe. Der coole Beifahrer zeigte mit seiner großen schwarzen Flosse - ohne selbst in die Richtung zu schauen - wo wir uns hinsetzten sollten. (Ungefähr so wie man mit einer schlappen Hand eine Fussel vom Tisch fegt.) Wenn man lernen möchte, wie man matcho und cool rüber kommt, einfach die Bewegungsabläufe dieser Beifahrer studieren! Also Vasi, auf in die Karibik!
Für die Inselumrundung brauchten wir sechs Busse und zahlten für jeden Abschnitt zwischen ein und zwei Euro pro Person. Nur im ersten Bus gab es Gospelmusik, sonst immer wieder die Lobsänge auf die 40jährige Unabhängigkeit oder Reggea. Es ist erstaunlich wie oft man Bob Marley hört! Es ist echt unglaublich was für einen Einfluss er auf die Karibische Kultur hat. Wie viele Rastafaris es hier gibt, wie vielen sich kleiden und leben wie er, und das über Jahre, Jahrzehnte!
Gouyave war voller Menschen und viele trugen die nationalen Farben rot, grün, gelb. Vor allem bei den kleinen Kindern sieht das ganz putzig aus. Die kleinen Mädchen bekommen dazu Perlen in den gleichen Farben ins Haar geflochten, so süß. Die Leute nehmen ihren 40sten Jahrestag sehr ernst. Die Stadt hat sich herausgeputzt und überall wehen rot, grün, gelbe Fähnchen. Die Inder machen blendende Geschäfte, auch ich kaufte mir in einem Laden ein dreifarbiges Poloshirt was ich gleich anzog. Christian hatte heute zufällig ein gelbes T-Shirt an und passte so gut ins Ambiente.
In unserem zweiten Bus gab es laute Reggea Musik. Der Beifahrer mit geflochtenen Haaren war nicht ganz so cool wie der erste. Eigentlich muss er beim Einsteigen gleichzeitig in einer Bewegung das Bein reinziehen und mit seinem langen Arm die Tür zuschieben, nicht zu fest, aber sie muss schließen. Das muss sitzen! Dieser musste öfters noch mal aufschieben und dann fester zuschieben. Im Vergleich mit dem ersten Fahrer total uncool!
Die Landschaft ist durchweg wahnsinnig. Noch nie habe ich so eine tropische Landschaft gesehen. Links das türkisblaue Meer, Bucht nach Bucht fuhren wir am Wasser entlang. Rechts die dicht bewaldeten Berge, die Gipfel Wolken verhangen. Überall stehen schöne Häuser im Grünen und die ärmlicheren Behausungen sind wenigstens gestrichen, nicht so lumpig wie auf Barbados.
Victoria war wie Gouyave voller Fahnen. Wir wunderten uns über die vielen Leute in der Stadt. Jemand zeigte auf das Ende einer schmalen Straße, da sollten wir uns hinstellen. Irgendwie schien hier die Straße ins Inland zu führen. Es fing an zu regnen und wir mussten uns bei einem Laden unterstellen. Als der Regen nachließ fragte jemand was wir wollten? „Nach Sauteurs!“ Die Busse fahren von der Hauptstraße in der Stadt sagte er. Also wieder runter. An der Kirche warteten alle auf den Aufzug der Kinder. Wir warteten eine ganze Weile. Gerade als der Aufzug kam, kam auch ein Bus. Beim Vorbeifahren machte ich ein paar Bilder von den bunt herausgeputzten Mäusen.
Wieder Reggea! Ganz laut! Lange war kein Bus gekommen und jetzt waren auf einmal zwei da! Irgendwas stimmte nicht mit den beiden. Wir wurden überholt von dem anderen roten Bus, unser Bus setzte die Verfolgung ein. Immer schneller rasten wir die schmale kurvige Küstenstraße entlang, immer wieder versuchte unser Fahrer den anderen Bus zu überholen. Das war lebensgefährlich hier! „Hoffentlich überleben wir das!“ schrie ich Christian zu. Um unsere voraussichtlich letzten Minuten zu dokumentieren drehte ich ein Filmchen. Irgendwann konnten wir überholen, unser Fahrer schnitt den anderen Bus und hielt an. Ein Teil der Fahrgäste aus dem anderen Bus stieg bei uns ein. Wahrscheinlich hatte der andere Bus versucht unser Bus Fahrgäste abzuzocken und der Fahrer hatte dies nicht hingenommen. Gemächlich, immer noch mit lautem Reggea, fuhren wir jetzt bis Sauteurs weiter.
Wir hatten die Küste verlassen und fuhren durch die Berge. Bis auf dem Flughafen ganz im Süden ist die ganze Insel gebirgig.
Sauteurs liegt am Nordhang der Insel und besteht aus einer Straße. Am Ende steht erhöht eine Kirche, dahinter, ein Friedhof. Es war angeblich hier, wo die letzten 40 Caribs die nach einem dreijährigen Krieg gegen die Franzosen nicht getötet worden waren, von den Klippen sprangen um der Versklavung zu entkommen. Deshalb heißt der Ort Sauteurs, Springer.
Wie Gouyave und Victoria vorher, gibt es in der Stadt einige Geschäfte, aber vor allem Bars wo man limen kann. Wäre ich mit Peter und Vasi unterwegs gewesen, wären wir nach Gouyave und Victoria, spätestens hier in Sauteurs angetüddelt gewesen. Wenn ich da an unserer Cozumel-Umrundung und die Cocolocos in jeder Strandbar denke….
Auch hier fanden wir nach einem Bummel über die Hauptstraße problemlos einen Bus. Alle Strecken sind nummeriert. An dem Mango Bay Resort kommt die Nummer 5 vorbei, die Strecke von Sauteurs nach Grenville wird von dem 9er Bus bedient und von da fährt man zurück nach St.George’s mit der Nummer 6.
In Grenville war die Hölle los. Alle waren auf den Beinen. Die Stadt war üppig mit Fahnen geschmückt und viele trugen die nationalen Farben, die Kinder sowieso. Wie überall in der Karibik findet man nur Fast Food wenn man Hunger hat. Gerade als wir unser Flügelchen bei KFC essen wollten kamen die Kinder vorbei. Ich rannte runter und drehte ein Video von dem Aufzug. Wenn man die Massen an Kindern sieht wird einem angst und bange. Wie sollen die denn später alle einen Job finden und wo sollen sie wohnen? Soll das schöne Grenada auch zugepflastert und bebaut werden wie Barbados? Seit Hurrikan Ivan die Muskatnuss Plantagen zerstört hat gibt es hier kaum noch Landwirtschaft und die Tausenden von Kindern können doch nicht alle in dem Tourismus Sektor arbeiten!
Am Ende der Main Street wartete schon ein Bus auf uns. Der gutverpackte Fahrer kam ohne Beifahrer aus, ohne sich dabei allzu sehr zu bewegen. Es ist schon erstaunlich wie manche Leute die als Hobby die maximale Nahrungsaufnahme haben mit einem absoluten Minimum an Bewegung auskommen. Er hing halb gegen der Tür hinter dem Lenkrad, seine rechte Flosse hing während der ganzen Fahrt aus dem Fenster, er lenkte nur mit Links. Bei der zweiten oder dritten Siedlung hielt er vor einem Haus an und grölte irgendwas aus dem Fenster. Kurze Zeit später erschien eine Frau mit einer großen Portion Essen zwischen zwei Styroportellern. Weil er die Mahlzeit so nicht mitnehmen konnte schickte er sie noch mal zurück um eine Tüte zu holen.
Wir fuhren jetzt immer weiter Bergaufwärts. Hier oben gibt es kaum noch Häuser, nur Natur! Und die ist überwältigend! Hier oben fallen über 4000mm Niederschlag pro Jahr, die Vegetation ist gigantisch. Es ist einfach unglaublich die Menge an Pflanzen und deren Größe zu sehen. Wahnsinn! Einmalig schön!
Hier oben gibt es einen Kratersee, den Grand Ètang Lake. Für die Wanderung dahin war es jetzt zu spät. Wenn ich gewusst hätte, dass die Natur hier ober so spektakulär ist hätte ich die Reise anders geplant.
St.George‘s war voller Kinder es hatte hier auch Aufzüge gegeben. Am Busbahnhof gab es Massen von Kindern, trotzdem bekamen wir sofort einen Bus nach Mango Bay zurück.

Unsere gemächliche und problemlose Reise kam zu einem abrupten Ende. Ich hatte die Nacht noch gemütlich in der Hängematte verbracht und das Rauschen des Meeres und des nächtlichen Regens genossen. Auch die Hotellimousine war pünktlich da gewesen, das Wetter war klar und wunderschön.
Zu früh waren wir an der Abfahrtstelle. Kurz nach uns tauchten drei reifere Mädels aus Schweden auf. Wir erzählten von unserer Route. „But the ferry from Union Island to Bequia is not running“, sagte eine „this ferry broke down in December, there are no boats!” So was! Und nun? Gar nicht einsteigen und die ganzen Hotels auf den Grenadinen sausen lassen? Oder doch fahren und das Beste hoffen? Die Karibik zu bereisen ist wirklich stressig. Normalerweise würde man seine Pläne ändern und was anderes machen. Hier ist man völlig auf seine Route festgelegt. Man muss alle Flüge und Hotels buchen sonst kommt man gar nicht ins Land hinein. Bei der Passkontrolle muss man den Weiterflug und die Hotelreservierungen vorzeigen und alles wird penibel aufgeschrieben. Jetzt haben wir die Hotels schon gebucht und bezahlt, ebenso wie die Flüge. Wenn wir die Route ändern, müssen wir die Hotels noch mal bezahlen und man findet kaum was unter US$100.
Dazu ein ganz blödes Problem. Wir haben gar kein Geld um was zu ändern. Mit der Visa-Karte kann man eine bestimmte Summe nutzen und muss dann bis zu einem bestimmten Tag im Monat warten um die nächste Summe nutzen zu können. Wir können gar nichts ändern.
Wir fahren jetzt los und hoffen auf ein Wunder.
Die Abfahrt erlebten wir auf dem Oberdeck. Wahnsinn die Stadt und das Fort noch mal vom Wasser aus zu sehen. St.George’s liegt wirklich wunderschön auf den Felsen und an den Hängen. Sobald wir die Carenage verlassen hatten fing es an zu schaukeln. Ich blieb noch eine Zeitlang oben. Christian verbrachte die zweistündige Fahrt in der Bordkabine. In dem Außenhafen lag ein Britisches Kriegsschiff um an den Unabhängigkeitsfeiern teil zu nehmen, die Queen ist immer noch Staatsoberhaupt dieses Ländchens.
Wir fuhren an unserem Hotel vorbei, ich könnte weinen vor Heimweh, so schön hatten wir selten gewohnt. Dann sah ich Gouyave und Victoria. Jetzt fing es langsam an immer mehr zu schaukeln. Christian unterhielt sich mit einer Schwedin, eine andere hatte sich langgelegt, die dritte saß vorne am Bug. Ich setzte mich zu ihr, nur wenige wagten sich hierher, aber so konnte man den Horizont besser im Auge behalten. Es war jetzt fast unmöglich aufzustehen, wir waren aus dem Windschatten Grenadas herausgefahren.
Ab und zu gab es eine hohe Welle, das Boot klatschte zurück aufs Meer und der Gischt schlug übers Boot. Vorne blieben wir aber ziemlich trocken. Wir fuhren an mehreren kleinen Inseln vorbei und langsam trat Carriacou aus dem Dunst hervor. Zum ersten Mal meines Lebens sah ich fliegende Fische. Ich dachte die könnten nur ein bisschen springen, aber die putzigen Viecher fliegen echt, manchmal über Hunderte von Metern.
Wenn Carriacou näher kommt sieht man Union Island auch, die Inseln liegen nur 24km auseinander. Bis dahin werden wir es schon schaffen, Sonntagmorgen ist unser Flug. Für den Flug haben wir €110 pP.bezahlt, vielleicht die teuersten fünf Minuten meines Lebens!
Am Hafen mussten wir alle Aussteigen, danach wurde das Gepäck aus dem Laderaum gehievt und von drei Männern mit viel Macho Gehabe auf die Betonpier gestellt.
Unsere Schwedinnen hatten inzwischen ein Taxi organisiert, gut €10 für weniger als einen Kilometer. Aber geteilt durch fünf ist das OK.
Das Hotel liegt auf einem Hügel am Meer, ein altes zweistöckiges Haus mit Terrassen und Balkons, die halbe obere Etage - das Restaurant - ist auf zwei Seiten offen und gibt den Blick frei auf die wunderschöne Bucht und die Berge dahinter.
Es ist sieben Minuten vor zwölf, unser Zimmer ist noch nicht fertig. Wir werden das Zimmer neben dem Restaurant bekommen. Durch den Blickfang sehe ich die Leute noch auf dem Balkon sitzen. Die nutzen auch ihre allerletzte Minute aus. Zehn nach zwölf sind sie endlich draußen. Jetzt muss das Zimmer noch geputzt werden. Wir essen unsere mitgebrachten Brote - vor der Bootsfahrt wollten wir nichts essen - und überhören eine blöde Bemerkung der Frau im Restaurant.
Das Zimmer ist schön und hat ein großes und ein kleines Zimmer mit Bett. Die Terrasse geht wieder nach Südwesten, ich sehe gleich dass man hier nachmittags gegrillt wird.
Christian war noch ziemlich fit, er setzte sich aufs Bett und wollte ein bisschen lesen. War mir recht, ich war total fertig von der Fahrt und schlief erst mal knapp zwei Stunden.
Christian war es zu heiß, ich erkundete das Städtchen alleine. Alles hatte wegen des Unabhängigkeitstages zu. Ich lief zu der Strandbar des Hotels, unten am Strand. Die ganzen indischen Trinis die auf der Fähre schon genervt hatten ließen hier die Sau raus. Sonst war nirgends etwas los, bis auf einige Bars hatte alles zu.
Ursprünglich hatte ich geplant den höchsten Berg der Insel zu besteigen - knapp 300m - aber den Plan musste ich abblasen. Die Sonne ist hier dermaßen stark, man wird förmlich geröstet. Die Luft ist perfekt sauber, nicht wie zum Beispiel in Bangkok wo kein einziger UV-Strahl durch die verpestete Luft hindurchkommt.
Die Damen luden uns ein, um um sechs mit zum Tyrrel Bay zu kommen. Sie hatten den Mittag an einem Strand - am Paradise Beach - in der Nähe verbracht und da eine Schwedin kennengelernt die ein kleines Restaurant hat in der nächsten Bucht.
Die Insel ist größer als man denkt, die Straßen sind schmal und kurvenreich, wir fuhren über zwanzig Minuten bis dahin. Ihr Restaurant war nicht das Lambie Queen Restaurant - was hier jeder kennt - sondern eine kleine Box unter den Bäumen am Strand. Die Box war die Küche, der Koch ein Rastafari mit einer Frisur wie Siddharta. „Is this the restaurant from the Swedish girl?“ fragte unsere Gunilla. “Yes!” “Are you her husband?” fragte sie dann. “Her boyfriend!” antwortete er. “Lucky woman!” dachte ich.
Hinter der Box gab es eine winzige Terrasse mit zwei Tischen, ein paar Holzbänke und Hocker. Ganz schön windig hier, aber eine junge Familie bekam ihre Lambie und ging runter zu dem großen Tisch unten am Strand. An dem hinteren Tisch war es besser. Nach über dreiviertel Stunde, die Getränke waren ausgetrunken, kam der exotische Koch an und fragte wann wir unsere Lambie wollten? Aber die hatten wir doch gleich bestellt. Christian flippte ziemlich aus. Inzwischen war die Schwedin aufgetaucht (ihr Vater stammt aus Guyana) und glättete das Missverständnis, es würde nicht lange dauern. Die Lambie kam schneller als erwartet, schön zubereitet mit Salat und schmeckte OK. Nur muss ich es die nächsten zehn Jahre nicht wieder essen.
Nun was ist Lambie? Lambie ist Schnecke. Die sehen aus wie unsere Schnecken und wohnen in einem Schneckenhaus im Meer. Nur zwanzig Mal größer. Das dicke Vieh wird aus dem Haus gezogen und in Scheiben geschnitten. Diese haben dann einen Durchschnitt von etwa sechs oder sieben Zentimetern und werden gebraten oder frittiert. Die Kunst ist die richtige Zeit einzuhalten. Zu kurz gebraten schmeckt es wie Kaugummi, zu lang wie Schuhsohle. Christian war brav und aß seine ganze Portion, ich bin stolz auf ihn! Ich auch, es war nicht so schlimm wie der Lambie der Vasi und ich in Jacmel / Haiti gegessen haben.
Die Mädels wollten noch tanzen gehen. Schräg gegenüber im Lambie Queen gab es Life Musik, die Bude war voll. Die Band war nicht besonders, der Steelpan war falsch gestimmt worden oder wurde falsch behämmert. Wir waren müde. Glücklicherweise fand Christian gleich ein Taxi.
Zurück im Zimmer surften wir noch lange im Internet um irgendeine Flugline zu finden, wir schickten einige Mails und hofften weiter auf ein Wunder.

Um neun haben wir uns mit den Damen für eine Inseltour verabredet. Uncle Polo, der uns gestern vom Hafen zum Hotel und später zum Restaurant gebracht hatte, war pünktlich. Ein ganz netter Typ, jetzt mit 64 sind ihn nur noch die Eckzähne geblieben. Mit über vierzig Jahren Erfahrung bei Rundfahrten spricht er langsam und ist einigermaßen zu verstehen. „When I started driving in 1972 there were only ten vehicles on the island” erzählte er, “two of them wooden busses.” “Now there are so many, and most expats have two cars!” Expats?
Es wohnen eine Menge Expatriats, Ausländer, auf der Insel, vor allem Engländer und Amis. Man kann auf Carriacou ohne weiteres ein Grundstück kaufen und ein Haus bauen, das schafft nicht nur Arbeitsplätze in der Bauindustrie sondern auch als Hauspersonal oder für die Gartenarbeit. „They move here with big containers” erzählte er erfurchtig, “sometimes with two cars in it, one for the man and one for the lady.”
Trotz Einwanderung gibt es nur etwa 5 oder 6000 Einwohner auf der Insel. Die Expats kennen sich natürlich alle und man sieht sie mit einander klönen in der kleinen Main Street von Hillsborough oder bei einem Bummel am Strand. Wie aufregend! Ich verkaufe das Haus in Zuidwolde und ziehe hierher.
Die Insel ist sehr schön, die Aussicht von höher gelegenen Punkten fantastisch. Vom Krankenhaus auf einem Hügelgipfel sieht man unsere Bucht und das Dach des Green Roof Inn.
Wir fuhren zur Nordspitze der Insel. Unterwegs machten wir halt an einer kleinen Werft. Fischerboote werden hier noch von Hand und völlig aus Holz gebaut. Nachfahren von Schotten beherrschen dieses Handwerk heute noch. Fünf oder sechs Handwerker brauchen vier bis fünf Monate um ein größeres Fischerboot herzustellen.
Auf dem Riff liegen viele Schiffswracks, manche Boote wurden durch Vernachlässigung zum Wrack, andere liefen auf Grund. Ein Wrack in der Nähe der Nordspitze wurde von Hurrikan Ivan von St.George’s hierher gespült. Glücklicherweise war keiner an Bord. Uncle Polo erzählte uns von dieser Katastrophe. Auch sein eigenes Haus wurde völlig zerstört. Als die Familie merkte dass das Haus anfing zu vibrieren rannten sie aus dem Haus raus zu dem Hurrikan Shelter und sahen wie ihr Haus in die Luft flog. Obwohl viele internationale Hilfsgelder nach Grenada strömten kam hier auf der Insel nichts an. Sie bauten das Haus aus eigenen Mitteln wieder auf. In der Zwischenzeit konnten sie das Haus von einer amerikanischen Familie nutzen.
Von der Nordspitze hatten wir eine fantastische Aussicht auf Petite Martinique und Union Island. Zwischen diesen beiden Inseln verläuft die Grenze zwischen Grenada und St.Vincent & the Grenadines. Ich wundere warum die Engländer die Grenze zwischen den Verwaltungseinheiten so komisch gezogen haben. Aber sonst in der Welt, zum Beispiel in Afrika, ist das ja auch nicht anders.
Im Süden fuhren wir zu den verschieden Stränden. Uncle Polo zeigte auf die Villen am Hang. „Here there are Americans, over there British people.“ Die Expats scheint es hier gut zu gefallen, sie lassen sich hier sogar beerdigen. “They build big tombs” erzählte er.
The Swedish Ladies ließen sich am Paradise Beach absetzten, wir in der Stadt. Auf einmal sah Christian ein ATM Machine mit einem Maestro Zeichen. „Hier können wir Geld abholen mit der Bankkarte!“ Wir liefen zurück zum Hafen für ein Taxi. Uncle Polo war da und fuhr uns zum Hotel um die Karte zu holen. Groß war die Enttäuschung als auch beim dritten Versuch kein Geld raus kam. Immer wieder drehte unser Gespräch über unsere Probleme wenn es kein Schiff oder Flieger von Union Island nach Bequia oder St. Vincent geben würde. Mit viel Geld in der Tasche ließe sich wahrscheinlich immer was machen, aber unser Visa Budget war fast ausgeschöpft und wir hatten zu wenig Bargeld mitgenommen.
Wie wir uns freuten als abends die Antwort von SVG-Air rein kam, dass sie Platz für uns hatten auf dem Dienstagmorgenflug um 08:45 nach St.Vincent. Von hier würden wir mit der Fähre nach Bequia kommen, alle Aufregung war vergessen. Wir würden keine Hotels doppelt zahlen müssen, alles würde ablaufen wie geplant.


St.Vincent & the Grenadines

UN Member Nr. 152
MTP Nr. 392 und 393

09 Febr. – 14 Febr. 2014

Union Island

Unsere Damen saßen um halb acht schon am Frühstückstisch. Zufällig reisten auch sie heute nach Union Island. Einen Flug für drei hatten sie nicht bekommen, aber ein Speed Boat würde sie samt Gepäck rüberfahren für EC710 (€193), wir flogen für EC$594 (€161,50), also kaum teurer, dafür wesentlich komfortabler. (Diese Preise beinhalten allerdings den Departure und Entry Tax).
Kurz nach acht hörte ich Uncle Polo hupen. Hafen und Flughafen lagen in gleicher Richtung. Die Ladies stiegen aus am Steg und neugierig lief ich mit um zu sehen wie das Boot aussah. Ein winzig kleines Bötchen lag tief unten im Wasser. Ich weiß gar nicht wie sie darunter kommen sollten.
Der Flughafen sah aus wie echt, aber alles war winzig klein. Außer uns war kein Mensch da. Wir hörten das Personal, es dauerte aber eine Weile bis sie auftauchten. Die Abfertigung war sehr professionell. Unsere Taschen wurden gewogen, ebenso wie unser Handgepäck und wir mussten unser Gewicht angeben. Die Pässe wurden ausgiebig studiert, es gab handgeschriebene Boarding Cards. Nach kurzer Wartezeit ging es in den nächsten Raum zur Kontrolle. Wie überall mussten wir alles in eine Plastikschale geben, Gürtel, Portmonee, Kleingeld, bevor wir durch die Sicherheitsschleuse gingen. Das Handgepäck wurde per Hand durchsucht, der Beamte zog sich extra dafür Plastikhandschuhe an.
Jetzt warteten wir eine ganze Weile am einzigen Gate. Der kleine Raum hatte 16 Sitzplätze, es schein also auch größere Maschinen zu geben die hier abfliegen.
Jetzt gab es doch noch Leute die eincheckten, aber sie warteten in dem Abfertigungsraum.
Scheinbar waren wir die einzigen Fluggäste für Union Island.
Der Flieger hatte Verspätung. Das sie kommen würde war sicher, die Feuerwehr hatte sich neben dem Rollfeld positioniert.
Die junge Dame die uns eingecheckt hatte kam und entschuldigte sich für die Verspätung. „The plane is coming from St.George’s and will pick you up to bring you to Union Island” sagte sie. Als der Flieger endlich kam ging alles ganz schnell. Unsere Bordkarten wurden abgerissen, zwei Damen stiegen aus der kleinen Maschine und deren Gepäck wurde ausgeladen. Unser Gepäck stand auf einer Schubkarre und wurde eingeladen. Jetzt sahen wir dass es im Flieger vier weitere Fluggäste gab. Christian stieg hinten ein, ich davor, zwei Plätze blieben frei. So ganz günstig saßen wir nicht, wir schauten auf die Triebwerke und die Räder.
Der Captain begrüßte uns auf dem Flug von Carriacou nach Bequia mit einem Zwischenstopp in Union Island. Nach Bequia gibt es normalerweise keinen Linienflug. Ich nehme an dass die vier andere Leute die Maschine gechartert hatten und dass sie uns als reguläre Fluggäste mitnahmen. Ohne uns wären sie ohne Zwischenlandung weitergeflogen.
Ich drehte ein Video von diesem kürzesten Flug meines Lebens. Inklusive Start und Landung etwa sieben Minuten. Der Start war ganz schön wackelig und einmal oben wurde es auch nicht ruhiger. Den ganzen Morgen war es bewölkt gewesen, jetzt kam die Sonne durch und tauchte das Wasser in ein unwirkliches Grün. Wir flogen entlang der Küste, wir konnten die Hauptstadt Hillsborough sehen und ich glaubte sogar unser Green Roof Inn ausmachen zu können. Langsam ließen wir Carriacou hinter uns und die schroffen Berge von Union Island tauchten vor uns auf. Eine von mehreren kleinen Inseln eingeschlossene Lagune schillerte in den unwirklichsten Farben.
Auch die Landung war quite bumpy, aber nur Sekunden später machten wir eine große Schleife auf dem Vorplatz des Flughafens, unmittelbar vor dem Schild „Welcome to Union Island“.
Besonders freundlich wurden wir hier nicht von dem Grenzbeamten behandelt. Zwei Leute abfertigen zu müssen war ihn wahrscheinlich zu viel. Aber ich habe Verständnis dafür: Zwei Leute bedeuten 100% mehr Stress als ein Leute!
Auch hier war der Flughafen nicht besonders groß. Und draußen gab es natürlich kein Taxi. Wir riefen im Hotel an, sie würden uns abholen.
Nun fiel Christian ein, dass wir hier vielleicht unsere Tickets für den Weiterflug bekommen könnten. EC$280 hatte ich noch in bar da und kurze Zeit später hatten wir die Tickets in der Hand. Uff, so eine Erleichterung!
Der Wagen war schon da, komische Leute! Der Typ, ein Rastafari - I am Clyde - schien ein übersteigertes Ego zu haben, seine bayrische Olle stellte sich nicht mal vor nachdem ich unsere Namen sagte.
Inzwischen trudelten unsere Freundinnen ein. Sie hatten die Überfahrt überlebt, „but it was very bumpy and wet“ sagten sie. Sie mussten hier am Flughafen ihre Einreise regeln. Zuerst wurden wir zum Hotel gebracht, dann die drei Damen geholt.
Auf dem Weg zum Hotel fragte Clyde: „How do you like my hotel? „Well the pictures look nice” sagte ich, “now I have to see what the place looks in reality.” “Do you mean that my pictures could be lying” fragte er aggressiv. “I never lie, I am a very straightforward person! Do you think on a picture you can look better, than you look in reality?”
Ich merkte gleich, dass es bei ihm unter einer hauchdünnen Schicht von Freundlichkeit eine fette Schicht von Aggressivität und Misstrauen gab.
Für uns gab es zwei Zimmer zur Auswahl. Ein kleineres unten mit zwei Betten, das größere mit einem Bett oben. Christian fand das Zimmer oben besser, vor allem wegen der Klimaanlage. Ich dachte zwei Betten wären günstiger. Die Art wie der Rasta die Zimmer verkaufen wollte gefiel ihn gar nicht. „Der Typ behandelt mich wie ein kleiner Junge“ sagte er. Der Typ war jetzt böse, dass wir deutsch mit seiner Frau sprachen und fühlte sich übergangen. Die Olle guckte ganz verschüchtert, wahrscheinlich hatte sie Schiss uff Dresche.
Der Typ war mächtig stolz auf seinem Anwesen und erwartete Worte des Lobes. Er hätte selber alles gebaut und war sehr von sich selber überzeugt.
Ja, was soll ich jetzt sagen. Ingo meint immer ich meckere zu viel, besser ich schreibe jetzt nicht weiter. Ich kann eigentlich nur sagen, dass der Laden eine einzige Katastrophe war. Wie kann man dann sein Vermögen so in Beton vergießen? Wenn der Typ den Laden jetzt alleine geführt hätte würde ich vieles durchgehen lassen. Afrikaner ticken einrichtungsmäßig anders, aber mit einer Europäerin?
OK, ganz kurz: überall Beton, sogar die Geländer der Balkons. Tragebalken - aus Beton - kreuz und quer. Unterschiedliche Bodenkacheln überall. Ein Restaurant wie ein Bunker und vorne ist der Strand. Ewig laute Musik statt Wellenrauschen, ne Bar wie auf der Alm, der Kühlschrank in Brettern eingebaut. OK, lassen wir es.
Unsere Mädels waren fix und foxy von der Überfahrt und wollten sich ausruhen. Wir würden unsere Inseltour alleine machen. Ein aus Ebenholz geschnitzter Jüngling - Clifton - erschien wie eine Fata-Morgana, und würde uns mit dem Hotelwagen herumfahren.
Nach dem Garten Eden von Grenada und Carriacou wird man hier zunächst wieder mit der irdischen Wirklichkeit konfrontiert. Natürlich hatten wir Glück gehabt genau zum 40sten Jahrestag dieses Ländchen zu besuchen. Freiwillige in den Dörfern hatten überall Müll eingesammelt, den Rasen gemäht, die Bordsteinkanten gepinselt, auf Rasenflächen bunte Steine mit den Nationalfarben ausgelegt mit „God Bless Grenada“ und vieles mehr. Vielleicht ist es da nicht immer so schön, aber so wie hier muss es nun wirklich nicht aussehen.
Überall fliegt Müll herum, alte Wellblechplatten werden als Zäune genutzt, die Häuser sind unverputzt und nicht gestrichen, die Straßen in einem viel schlechteren Zustand. Die Gärten sind struppig und unbepflanzt.
Die Insel an sich ist aber traumhaft schön, die Berge sind hier steiler und spitzer als in Carriacou, die Buchten differenzierter mit kleinen Inseln und schmalen Halbinseln inmitten großer Flächen Türkis und grün.
Nach dem kleinen Hauptort gab es noch eine Reihe von Ortschaften, allen mit mehreren Kirchen. Heute ist Sonntag und gutgekleidete Leute sind auf dem Weg zur Messe oder zum Gottesdient.
Weiter westlich wird die Bebauung seltener, bis es nur noch Gestrüpp und Bäume gibt. Genau wie auf Carriacou ist es hier viel trockener als auf Grenada. Die Berge sind hier weniger hoch und fangen weniger Wolken ab.
Unterwegs erzählt Clifton von seiner Familie. Er sei 23, hätte bereits eine dreijährige Tochter und wohne mit seiner Freundin zusammen. „Liming“ mache er nicht mehr, er würde immer für seine kleine Familie arbeiten. Er hat einen kleinen LKW und fährt Wasser aus. Die Regierung hat an manchen Stellen die Bergwand zubetonieren lassen. Bei Regenfällen läuft das Wasser ab und wird gesammelt. Mit seinem Tank kann er 900 Galonen Wasser abzapfen und zu den Leuten bringen, die allen einen großen schwarzen Plastiktank im Garten haben.
Außerdem arbeite er an der Erneuerung der Lichtanlage der Landebahn. „I am an electrician“ erzählte er, „with one job you cannot survive.” Jetzt verdient er mit unserer Tour ein bisschen dazu.
Die Straße wurde immer enger und dreckiger, wir fuhren durch eine kleine Herde mit Kühen. „I could drive a bit further“sagte er, „but then there is no space to turn around.” Er fuhr rückwärts um einen Platz zu suchen um zu wenden. „The government plans to construct this road all the way around the tip of the island, but they never do anything!” Gottseidank! Soll die Westseite der Insel hier doch so unberührt bleiben wie sie jetzt ist.
Er fuhr uns noch zu verschiedenen Aussichtspunkten auf die vielen Buchten und Strände der Insel. In der türkisfarbigen Bucht sah man die Segel der Kite-Surfer. „My neighbor has a surfing school“ sagte er, „he always asks me to teach me how to kite-surf, but I never tried.” Warum nicht? Wenn ich so jung und stark wäre wie er würde ich das sofort mal probieren, is doch ein toller Sport! Aber vielleicht kann er wie viele andere Schwarze auch nicht schwimmen.
Zurück im Dorf kauften wir Getränke und Obst ein. Die Läden hatten zu, aber auf dem Markt hatten einige Marktstände geöffnet. Im Nu waren €20 ausgegeben. Die Preise hier sind erschreckend.
Zurück im Hotel erzählte ich den Frauen was sie verpasst hatten, doch sie ließen sich nicht zu einer Tour bewegen.
Das Wetter änderte sich, es fing an zu tröpfeln und regnete leicht. Jetzt konnte ich mal schwimmen gehen. Mitten auf der Insel gibt es einen steilen Felsen, vielleicht die Lavasäule eines erodierten Vulkans. Unsere Gastgeber verstanden aber gar nicht was ich meinte als ich danach fragte. Dieser Felsen ist nicht ganz so gewaltig wie der zentrale Berg auf Bora-Bora, aber die zwei haben eine Ähnlichkeit.
Eine weitere Ähnlichkeit ist das Meer. Genau wie auf dieser Insel in Französisch Polynesien, kann man hier nicht schwimmen. Der helle Sandstrand sieht toll aus, aber nach drei Schritten ins Wasser tritt man nur noch auf Koralle. Ohne Badeschuhe kommt man hier gar nicht rein. Ganz vorsichtig versuchte ich es trotzdem. An schwimmen war aber nicht zu denken, man reibt sich die Knien wund. Außer planschen nichts gewesen.
Ich schrieb diese Zeilen auf der Terrasse. Lieber als das bum-bum-bum aus der Bar hätte ich mir das Rauschen der Wellen angehört, wir sind hier am Ende eines Sandweges und es gibt kein Verkehr. Aber wie immer ist die Zivilisation schneller. Nicht darüber nachdenken und hinnehmen.
Gegen sieben gingen wir runter „for Dinner“. Statt draußen auf der Terrasse wurde das Essen in diesem stickigen grob zusammengeschusterten Bunker serviert. Die Stühle hatten Bezüge mit Schleifchen, fast so wie die Stühle bei uns in Raum Potsdam bei einer Russenhochzeit. Totschick! Die Tische waren gedeckt mit weißem Damast und grauen Place Mats von IKEA. Dazu viele Gläser.
Es gab amerikanische Discomusik aus den 70ern und 80ern. Als ich anfing zu tanzen wurde aufgedreht. Karibik pur! Zwei der Damen tanzen mit mir. Dies war die Musik aus unserer Jugend, toll, gute Laune Musik, aber hier?
Das Essen war OK, zwei kleine Schälchen mit Salat für uns allen und nur ein Hauptgericht mit einem Scheibchen Kings Fish, ein Häufchen Reis, ein Klecks Kartoffelsalat und ein Hauch Gemüse. Zusammen mit einem Glas Wasser und Cola über €50. Ich sagte es schon mal: hier ist nicht Thailand!
Unsere „reunion night“ war richtig gemütlich, wir werden uns übermorgen in Bequia wiedersehen.

Heute machen wir Urlaub! Zuerst wollten wir sparen, aber entschieden uns doch für ein Frühstück im Hotel. „Möchten sie Frühstücken“ fragte unsere namenlose Gastgeberin, „Kaffee oder Tee?“ Wir setzten uns draußen an ein Tischchen vor dem Restaurant. Das Hotel ist am Hang gebaut, Marke Eigenbau, ohne Konzept. Das Lieblingsmaterial des Hausherrn: Beton! Damit kann man dicke Balken gießen, Wände bauen, Geländer konstruieren oder Fußboden ausgießen. Letzterer verschönert mit Naturstein oder zerschlagene Kacheln. Mal so, mal so, mal so, deprimierend.
Der Kaffee und der Tee kamen. Niemand fragte was wir zum Frühstück essen möchten. Es kam Rührei mit Toast und Marmelade. „Can I have pepper and salt please? “ fragte Christian. „The pepper and salt is already in it” war die Antwort von der Bedienung. Das war’s! Christian war sprachlos.
Ich war erstaunt das Clyde selber vorbei kam um noch mal Kaffee nach zu gießen. Kostenpunkt EC$30 pro Person, plus Tax zusammen EC$66, das sind fast €20!
Um so wenig möglich Zeit in diesem unangenehmen Hotel verbringen zu müssen gingen wir gleich nach dem Frühstück zum Dorf. Unterwegs kletterten wir den Hügel mit dem alten Fort hoch. Christian bis zur Hälfte, ich bis ganz oben. Egal von wo, die Aussicht war fantastisch. Union ist umgeben von kleineren Inseln und Riffen, die Farben des Meeres sind unglaublich, an untieferen Stellen ist das Wasser Grün und Türkis bis zum strahlenden Hellblau.
Ein Flugzeug kam rein, ich drehte ein Video von der Landung und erinnerte mich an die fantastische Aussicht vom Zuckerbrot in Rio. Von da hat man eine wahnsinnige Aussicht auf den Flughafen und die Flugbewegungen. Hier ist alles genauso schön, nur eine Nummer kleiner.
Die Hauptstadt der Insel is Clifton, genannt nach unserem hübschen Fahrer. Bei der Bank war die Hölle los, um unsere letzten Euros los zu werden musste ich fast eine Stunde warten.
Das Örtchen ist sehr angenehm. An dem Betonsteg im Wasser liegen beidseitig einige Schiffe, ein kleiner Tanker aus Venezuela - von hier aus würde die Fahrt nur einen Tag dauern - ein Frachtschiff und ein Fischerboot. Vor Anker liegen ringherum eine Menge Segeljachten im türkisfarbigen Wasser. Gegenüber dem Steg ist der Marktplatz. Um ein bisschen karibisches Flair zu vermitteln wurden etwa zehn farbige Häuschen hingestellt. Die Hälfte verkauft Obst und Säfte - Fruit Punch - der Rest Souvenirs oder hatten zu.
Es laufen einen Haufen Touristen durch den Ort. Außer dem Hafen hier gibt es noch mehrere andere Liegeplätze und zu den anderen Inseln ist es nicht weit. Es gibt ein stetiges kommen und gehen von Booten oder Speed Booten, die die Verbindung zu den anderen Inseln aufrecht halten. Die Touristen sitzen vor allem auf der Terrasse von einem französischen Delikatessen Laden (mit geschmackvollen Vitrinen voller internationaler Produkte) unter balinesischen Schirmen, oder unter dem Blechdach eines bunten karibischen Cafés mit dem Namen „The Drunken Sailor“.
Die westlichen Restaurants waren alle ziemlich teuer, suchend liefen wir über den Marktplatz hin und her. Eine Frau rief uns: „What are you looking for?“ fragte sie. Ob man bei ihr essen könne, fragte Christian. “Sure! Come on in!“
„I have chicken, fish and lambi” sagte sie. Wir wählten chicken. Das war nett hier, ein bisschen wie in Afrika. Wir saßen beiden auf zwei zusammengestapelten Plastikstühlen, vielleicht wegen der Höhe oder wegen der Stabilität. Christian wollte sie zunächst auseinandernehmen.
Gerade als wir aßen kam Clifton. „This is my mother“ sagte er, “sort of.” Also nicht seine Mutter, aber irgendwie doch. Auf jedem Fall setzte sie sich zu ihn und drückte ihn ganz, ganz fest. Das Essen war ganz lecker und kostete nur €15. Super nett hier!
Den Rest des Tages verbrachten wir im Fort. Wir hatten im Supermarkt noch mal eingekauft und liefen in der brütenden Hitze nach oben. Hier ging eine angenehme Brise. Zwischen den Kanonen war ein kleines Dach gebaut worden. Ich fand ein Brett um die kaputte Bank zu reparieren. Wir konnten hier im Schatten sitzen und ich baute ein kleines Büffet auf, natürlich war außer uns kein Mensch da. Kleine Flugzeuge landeten und flogen wieder ab, wir folgten die Fahrten der kleinen Boote und Jachten durch das türkisfarbige Wasser.
So eine Aussicht! Wahnsinn! Ich füge sie zu an meine Top 4 in der Welt, und alle vier kämpfen um den ersten Platz: Die Aussicht vom Chukhung Ri auf Ama Dablam, die Sicht vom Eingangstor auf das Taj Mahal, die Aussicht des Corcovado auf Rio de Janeiro und jetzt hier die Sicht auf die zerklüftete Insel und die Grenadinen ringsherum.
Wir wollten uns nicht noch mal abzocken lassen und aßen die Reste unseres kleinen Büffets auf dem Balkon. Heute kam keine Musik aus dem Restaurant, obwohl die Engländer die heute gekommen waren sich bewirten ließen. Wir lauschten das Rauschen der Brandung und die schrillen Tönen der Zikaden. Es ist wirklich sehr schön auf Union Island.

Um halb acht waren wir schon mit dem Gepäck unten, gerade kamen das Personal, zwei junge Damen. Sonst hatte das Restaurant noch geschlossen. Clyde wurde von oben geholt und bestätigte das Taxi für Viertel vor acht. Der kam auch, er verabschiedete sich herzlichst. Wie unecht! Seine namenlose Frau ließ sich nicht mehr blicken.
Der Flieger war ein Siebzehnsitzer und ausgebucht. Das Video was ich drehte wurde nicht so gut wie gehofft, die Hälfte der Zeit flogen wir durch die Wolken.
Vom Flughafen waren es nur wenige Minuten zum Hafen. Der Taxifahrer wählte die alte Straße am Meer um uns die alten Villen und schöne Aussicht auf die Stadt zu zeigen.
Die Fähre war ein altes norwegisches Schiff. Wie alles in SVG makellos gestrichen. Wie eine afrikanischstämmige Bevölkerung wie hier in SVG so begeistert pinselt, fegt oder Rasen mäht ist mir ein Rätsel, es muss denen während der Kolonialzeit regelrecht eingetrichtert worden sein.
Kurz nach dem Verlassen des Hafens schaukelte das Schiff mächtig. Christian was not amused. Bald kamen wir im Windschatten von Bequia (sprich Beckway) und die einstündige Fahrt was quite smooth.
Schon beim Einlaufen der Fähre winkte Gunilla uns zu. Ein tolles Gefühl weit weg von zu Hause von drei Freundinnen abgeholt zu werden. Nach innigen Umarmungen von allen liefen wir über die Boulevard zu einem Restaurant. Bequia is viel touristischer als alle anderen Inseln die wir bis jetzt gesehen haben. Die kleinen Häuser zwischen den Palmen sind bunt bemalt. Wir saßen oben in der Ecke in einem Restaurant. Trotz Wind waren es hier 32° wie es uns Ingalille auf ihrem Thermometer zeigte. Ingalille ist eine sehr weit gereiste distinguierte Dame. „I could join the 100-countries-club” erzählte sie, “but that doesn’t interest me.” Ihre letzte Reise war durch Guinea gewesen und sie erzählte von ihrer drei Wochen in einem Dorf auf den Salomonen. „They still live very traditional“ erzählte sie, “when women, also me, have to go to the toilet, we had to cross a certain line around the village and take all our clothes off, even my glasses…..!”
Nach diesem verspäteten Frühstück fuhren wir zusammen zu unserem Hotel im Norden der Insel. Dies war unsere teuerste Übernachtung mit etwa €150 inklusive Frühstück.
Dieses Hotel war ein Erlebnis. Schon auf der Website sah es fantastisch aus. Ein Tag zuvor hatten wir eine Mail bekommen ob wir es wünschten vom Flughafen oder von der Fähre abgeholt zu werden und ob „any dietry arrangements were requiered“, sehr aufmerksam!
Die drei Ladies sahen sich die wunderbare Hotelhalle an und gingen die drei Schritte zum Strand, das Hotel liegt zwischen hohen schlanken Palmen unmittelbar am Meer.
Schon beim Eingang wurden wir von der Guest Relations Managerin - Vanessa - im Empfang genommen, eine reizende junge Dame die ein exquisites English sprach.
Die Halle ist ein großer Raum, im Grunde ein alter Schuppen, in einer Ecke die Bar, dann eine Menge Tische und einige Sitzgruppen. Das ganze innere war weiß, dazu ein alter gefliester Boden, dunkle Holztische, elegante Sitzgruppen mit balinesischen Möbeln. Große Kronleuchter “made out of driftwood on the premises” hingen von der hohen Decke. Es gab jede Menge chinesisches Porzellan, Vasen und Krüge: „During our renovation we found a lot of fragments of white and blue china, we thought it would fit…..” Tut es, das Ambiente war totschick, einmalig.
Für den Check-in setzte sich Vanessa mit uns in eine Sitzecke und erklärte das Hotel: hier unten am Strand gäbe es drei Zimmer, oben auf dem Berg - im French House - weitere fünf. Wir würden oben wohnen. Das Frühstück würden wir oben einnehmen, das Dinner hier unten.
Ein Fahrer fuhr uns nach oben, Vanessa erklärte die Umgebung: „This used to be a plantation, we tried to preserve the atmosphere, we grow our own vegetables, bananas….. we even have bees for our own honey.”
Das French House - die Fundamente und einige Mauern stammen aus dem 18. Jahrhundert - steht oben auf einem Hügel, Treppen führen in die obere Etage wo die meisten Zimmer sind. Wir hatten einen Bungalow hinter dem Gebäude, mit einem kleinen Pool! Genannt „the Mistress Lodge“. Der Raum war klein und wurde fast vollständig eingenommen von einem großen balinesischen Bett. Christian war begeistert von dem hübschen balinesischen Spiegel. Ich duschte in der nach außen offenen Dusche und plumste gleich ins Wasser. Die schwarzen Black Birds ließen sich nicht von mir aus der Ruhe bringen und tranken weiterhin das Pool Wasser und balzten mit den braunen Weibchen. Diese Black Birds sind die Spatzen der Karibik. Beim Frühstück muss man hier immer aufpassen dass sie einem nicht den Toast vom Teller klauen.
Es war so schön hier, wir änderten unser ursprünglicher Plan mit unseren Freundinnen am Hafen den Abend zu verbringen. Ich lief durch den herrlichen Garten den Hang hinunter um sie Bescheid zu geben. Sie hatten es sich in dem Hotelgarten unter den Palmen bequem gemacht und hatten Verständnis dafür. Vor allem als ich das kleine Video was ich auf dem Weg nach oben aufgenommen hatte zeigte. Wir verabschiedeten uns herzlichst, es war wirklich schön sie kennengelernt zu haben.
Der Rest des Mittags saßen wir am Pool oder liefen durch die Räumlichkeiten des Hauses. Oben gab es einen zentralen Raum mit einem großen Tisch und mehreren Sitzgruppen, kolonial oder balinesisch? Dazu eine große Bibliothek und schöne Bilder aus der Geschichte der Insel. Ringsherum große Terrassen mit einer fantastischen Aussicht auf die von Hügeln umgebene Bucht, Wahnsinn!
Zum Dinner liefen wir durch den Garten den Hang runter zum Hauptgebäude. Außer uns war noch keiner da, später waren mehrere Tische besetzt. Wir saßen vor offenen Türen zum Meer und genossen den Sonnenuntergang. Alles war so schön hier, und das Essen war nicht mal teuer. Für ein Dreigangmenü bezahlten wir hier weniger als nur für ein Hauptgericht in dem bekloppten „Hotel“ auf Union Island. Die Callaloo-Suppe war ein Gedicht, der vegetarische Lasagne mit dem gleichen Gemüse genauso gut, Christian hatte Pumpkin-Suppe und ein Fischbrötchen, alles lecker und reichhaltig. Als Dessert hatten wir noch Platz für zwei dicke Kugel mit Zimteis ….. woooow!
Das Zimmer war so schön, keine Fenster, nur Lamellenläden, der Wind ging durch das Zimmer durch. Aber das Bett war viel zu schmal, außerdem war das Moskitonetz zu klein, ich entschied mich auf der Liege am Pool zu bleiben. Ich hörte mir das Konzert der Zikaden an und schaute in die Sterne….. der Große Wagen war auch hier zu sehen, Orion, Castor und Pollux ….

Das Frühstück wurde auf der Seitenterrasse serviert, Obst, Kuchen mit Butter und Marmelade und Joghurt mit Honig von den hauseigenen Bienen. Es war so schön hier! Warum hatten wir bloß nur eine Nacht gebucht?
Um elf war der Traum vorbei und wurden wir abgeholt. Ich sprach noch mit dem Besitzer, ein Amerikaner der sein Vermögen in der Stahlindustrie gemacht hatte und sich mit diesem Hotel einen Traum verwirklichte.
Unsere Damen verbrachten den heutigen Tag an der Südküste, die würden wir nicht mehr sehen. Wir ließen uns zum Hafen fahren und nahmen die Fähre um eins. Viel hatten wir von der Insel nicht gesehen, die Zeit aber sehr genossen.
Vom Hafen in St. Vincent war es nicht weit zum Hotel. Das Paradise Beach Hotel liegt an einem schmalen Strand auf der anderen Seite des Flughafens. Wir bekamen ein sehr schönes Zimmer mit zwei Terrassen mit Aussicht auf die Berge. Das Hotel hat wenig Ausstrahlung, die Parkplätze sind ein wenig überdimensioniert. Sonst gibt es nichts zu meckern. Das Hotel war makellos sauber, hatte schöne Terrassen zum Strand hin, nettes Personal und ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis fürs Essen. Unmittelbar vor unserem Strand liegt eine kleine Insel mit einem Resort. Ein Bötchen hält die Verbindung mit dem Festland aufrecht und fährt hin und her. Weiter liegen noch einige Jachten in der Bucht, abends versinkt die rote Scheibe der Sonne zwischen den Masten.
Wir fuhren mit einem Minibus in die Stadt. Die Fahrer und Beifahrer sind hier normaler als in Grenada und zeigen weniger Macho Verhalten, auch die Musik ist hier anders, keine Gospels oder Bibelvorträge während der Fahrt sondern westafrikanische und karibische Rap und Hip Hop, natürlich mit einer unglaublichen Lautstärke. Christian stöhnte bei Ankunft über seinen Tinnitus. Unser Zimmer lag auf der Straßenseite des Hotels und ab und zu hörten wie mit lautem Dröhnen die Busse vorbeikamen.
Kingstown ist eine richtige Stadt mit mehreren Einkaufsstraßen, hübschen Kolonialgebäuden und Kirchen, Fastfood Läden und Restaurants, das Ganze eingerahmt von steilen wolkenverhangenen Bergen im Hintergrund. Der Vulkan Souvrière im Norden der Insel misst über 1200 Meter, andere Bergen ragen über 700, 800, 900, ja 1000 Meter hoch in den Himmel. Sie fangen viele Wolken ab, die Vegetation ist üppig.

Nach dem Frühstück stellten wir uns an die Straße und keine fünf Minuten später konnten wir schon losfahren. Zwei Plätze vorne waren frei, von hier konnten wir nach vorne viel sehen. Die Insel ist sehr bergig. Von der zerklüfteten Küste ragen die Berge gleich hoch. Für die Straße ist wenig Platz, für die Häuser ebenso, dennoch sind überall Häuser und Villen an den Hängen gebaut worden. Weiter landeinwärts gibt es nur wolkenverhangene dunkle Berge zu sehen.
Am 24. Dezember hatte es ununterbrochen geregnet, es gab Bergrutsche. Häuser waren weggeschwemmt worden, es hatte fünf Tote gegeben. An der Westküste sind zwei Brücken zerstört, die Straßenverbindung ist immer noch unterbrochen. Hier an der atlantischen Küste war es genauso schlimm, kurz hinter Georgetown ist die Straße zu Ende.
Nach einer Stunde müssen wir hier aussteigen. Ein großes Schild verkündet von dem Wiederaufbau der Brücke durch die Republik of China. Taiwan baut auch den neuen internationalen Flughafen an dem wir gerade vorbeigekommen sind.
Mir hat Georgetown, die zweitgrößte Stadt des Landes, gut gefallen, Christian nicht. Den Zuckerrohrbau der Umgebung gibt es nicht mehr, es gibt nur wenige Arbeitsplätze. Die Leute ziehen weg, viele Häuser stehen leer. Es herrscht eine morbide Atmosphäre. Wir liefen die Hauptstraße zurück. Zwischen den Häusern und hinter den Ruinen schauten wir auf den Atlantik. Die gewaltige Brandung schlägt auf den schwarzen Strand, schade dass es hier keinen Boulevard unmittelbar am Wasser gibt, die sollten die ollen Ruinen am Meer abreißen!
Wir schauten uns die alte Kirche an, früher muss es hier mal reich gewesen sein.
Es gibt eine Zeile alter Häuser mit Arkaden. Auch das halbe Kingstown besteht aus solchen Häusern. Ob es hier auf St.Vincent früher Mal Immigranten aus Bologna gegeben hat? Auf „limen“ in einem der vielen Rum Shops hatte Christian keine Lust, wir fuhren zurück nach Kingstown.
Inzwischen war es wieder glühend heiß, wir waren froh endlich vom Busbahnhof in dem schattigen Botanischen Garten angekommen zu sein. Ich legte mich auf eine Bank und schlief gleich ein, bei Christian klappt das leider nicht so einfach.
Es gab einige Volieren mit einheimischen Papageien, von der einheimischen Spezies gibt es nur noch wenige Hundert Exemplare. Hier wird versucht die Tiere in Gefangenschaft zu züchten. Umweltschutz ist in St.Vincent sehr wichtig, die Insel wirkt sehr gepflegt. Auch das Meer ist sehr sauber, es ist wirklich eine Ausnahme wenn man mal ein Flasche im Wasser treiben sieht. Die einzige dreckige Insel war bis jetzt das schöne Union Island gewesen.

Heute machen wir einen halben Tag Urlaub. Der Flieger geht erst um 15.15, der Flughafen ist um die Ecke, wir können es uns gemütlich machen auf der großen Terrasse am Meer. Das Preis/Leistungsverhältnis in diesem Hotel ist gut, wir bestellen uns einfach wozu wir Lust haben.
Ich type diesen Bericht und schaue auf die Insel, Christian schläft erst mal aus, stochert dann in seinem Rührei herum und schlürf Tee. Wir unterhalten uns mit einer Japanerin aus Toronto über unsere nächsten Reise nach ihrer alten Heimat. „You have to get a Japan Rail Card“ sagte sie uns, „that makes your trip much cheaper. And don’t eat in the main streets, always go twice around the corner and eat there!” Wir werden es uns merken!
Das Liat eine lahme Airline ist haben wir immer wieder gehört und nicht zuletzt durch unsere Doppeltbuchung gemerkt: wir hatten zwei Stunden Verspätung. Es war gerade noch hell genug die Pitons im Vorbeiflug zu fotografieren, aber als wir aus dem Flughafen heraus fuhren war es schon fast dunkel. Von Castries bekamen wir gerade noch einen Eindruck, aber danach sahen wir nur noch die Lichter der Häuser am Hang. Schade, schade! Wie gerne hätte ich die zerklüftete Küste im Hellen gesehen.
Der Fahrer musste tanken, Christian sprang aus dem Taxi raus um im Supermarkt nebenan Getränke zu holen. Schon hier sahen wir, dass St. Lucia anders ist. Es hängen viele Flippies herum, nicht jeder wohnt in einem Haus, es gibt Slums.
Trotz Vollmond war es jetzt richtig dunkel. Wir hatten uns über den hohen - offiziellen - Preis von dem Taxi vom Flughafen bis nach Soufrière gewundert: US$90. So ein Wahnsinn!
Jetzt wurde uns klar warum. An der Westküste von St. Lucia gibt es nur Berge, wir kamen nur langsam voran. Haarnadelkurven hoch und Haarnadelkurven runter, nur unten am Meer gibt es kleine Städtchen, sonst ist die Landschaft Menschenleer.
Wir durchfuhren Anse la Raye. Dieses Fischerstädtchen ist berühmt für seinen Fischmarkt am Freitagabend, und heute ist Freitag. Ich hätte gerne hier ein paar Stunden Halt gemacht. Das Gepäck hätten wir schon irgendwie unterstellen oder selbst abwechselnd bewachen können, aber Christian lässt sich auf so etwas gar nicht ein.
Wir durchfuhren die schale Hauptstraße. Die Häuschen sehen hier aus wie in Haiti, alle klein, und krumm und schief, und alle völlig aus Holz gebaut. St. Lucia hat eine völlig andere Kultur als die Inseln die wir bis jetzt gesehen hatten. Es ist hier mehr Französisch als English. Auch sprechen die Leute unter einander kein English sondern Kweyol, eine Art Kreolisch. Sie sagen nicht hello oder good morning, sondern bonjour.
Das Auto hatte Mühe den Hang hinter Anse la Raye hoch zu kommen. Irgendwann hielt der Fahrer an und sagte irgendwas mit „water“. Er schaute nach, das Kühlwasser kochte, er hatte aber Wasser dabei um auf zu füllen. Zuerst ging es normal weiter, er fuhr immer langsamer und wir hatten schon Angst hier mitten im Dschungel hängen zu bleiben. Wäre er bloß in Anse la Raye geblieben, da gab es eine Tankstelle mit einer Garage.
Alle Werkstätten unterwegs hatten geschossen. Er wählte eine Nummer und erzählte dann irgendetwas von „friend“, aber ich verstand sein Englisch nicht.
In Canaries hielt er vor einer eisernen Notbrücke an. Vor einem Holzhaus saßen einige Leute und hörten sich Musik an, lauter als in einer Disco. Es hörte sich an wie Makossa aus Kamerun, irgendwie ist St. Lucia sehr Afrikanisch. Der Fahrer zeigte auf einem Jeep. „You pay me EC$180 and her EC$60“ sagte er. Das Gepäck wurde umgeladen und wir rasten mit einem Affenzahn durch die Haarnadelkurven. Christian meinte später die Frau hätte getrunken. Unterwegs sprach ich über unsere Pläne für die nächsten zwei Tage. Sie könne eine Inseltour mit uns machen und auch würde sie mich zu den Gros Piton bringen können und später wieder abholen. „In the hotel we can talk“ sagte die dominate Dame.
Endlich waren wir über den Berg und sahen die Umrisse der zwei Pitons gegen den Abendhimmel. „Die sind ja viel größer und näher als auf Bildern“ meinte ich.
In dem kleinen Soufrière war high life. An der kleinen Brücke war eine offene Bar mit lauter Musik. „You can eat here“ rief unsere Fahrerin um die laute Musik zu überstimmen „and here is another place and over there also, 24 hours a day!” Überall gab es laute afrikanische und karibische Musik. Vier oder fünf Häuser vor unserem Hotel gab es auf beiden Seiten der Straße eine Disco, die Bässe explodierten durch das Dach.
Das Hotel befand sich über ein Einkaufscenter. In den unteren zwei Etagen gab es Geschäfte, oder auch nicht, viele Läden schienen leer zu stehen, darüber, in schummerigem Licht, die Rezeption. Die Dame am Empfang fand unsere Reservierung nicht, „Peterson from Norway“ „No, Peter from Germany, from Berlin!“ Immer wieder wühlte sie in dem kleinen Stapel Papiere herum und fragte immer wieder das gleiche. Die angetrunkene Fahrerin diskutierte mit mir über den Preis um uns am nächsten Morgen zum Berg zu bringen und am Sonntag zum Flughafen. „Yes I can do it“ sagte sie immer wieder „I will be here at seven “. Jetzt flippte Christian total aus, er verstand überhaupt nicht was hier los war, war müde und wollte nicht länger in der stickigen Halle herumstehen und aufs Zimmer. „Scht, scht, scht“ zischte die Rezeptionistin. Irgendwie fand sie unsere Reservierung, wir zahlten und sie brachte uns hoch. Es waren gefühlte 40° in dem Zimmer, sie schaltete gleich die AirCon an. Sie sagte, sie hätte jetzt gleich noch einen Check-in und würde uns dann den „remote“ für die AirCon bringen. Christian heulte immer wieder er laufe aus. Die Dame brachte die Fernbedienung aber nicht vorbei. Egal, das Ding funktionierte ja auch so. Es wurde und wurde aber nicht kälter. „Warum werde ich am Ende der Reise noch mal so bestraft“ jammerte er. Ich dachte es sei egal ob die Fernbedienung da wäre oder nicht. Das Gerät lief ja auch so und kühlte sowieso nicht und um es abzuschalten konnte man ja aufstehen und es direkt am Gerät abschalten. Wir machten jetzt die Tür auf, draußen war es viel kühler als drinnen.
Draußen war der Bär los. Die gesamte Dorfjugend lief vor dem Hotel auf der Straße herum. Ich wäre gerne um die Häuser gezogen, aber das ist nichts für Christian. Außerdem habe ich ja während der Reise striktes Alkoholverbot weil ich sonst anfange zu schnarchen.
Auch so war Party. Die Discos von nebenan versuchten sich gegenseitig zu übertrumpfen, es dröhnte nur so aus allen Ritzen. Außerdem fuhr die jeunesse dorée ständig um den Block mit ihren dicken Jeeps und noch dickeren Stereo Anlagen, mbum, mbum, mbum. Uns gegenüber war der Parc Central mit der Cathédrale. Die Jugend hing auf dem Parkgeländer herum, am Eingangstor nebenan wurden Essensstände aufgebaut oder Chips verkauft. Die Dorfstrottel waren auch da und grölten, wenn Leute Barfuß hin und her laufen ist bei denen ne Schraube locker.
Von unserem Balkon war dies alles zu beobachten und mit der offenen Tür die ganze Nacht zu hören. Vor allem die leichtbekleideten jungen Mädchen konnten irre laut schreien.
Mit der offenen Balkontür wurde es einen halben Grad kühler, immer noch viel zu warm für Christian. Natürlich schlief ich gleich ein, ich liebe warme tropische Nächte. Ab und zu hörte ich den Krach von draußen, aber der bildete das perfekte Ambiente für eine geruhsame Nacht. Zum ersten Mal auf diese Reise schlief ich acht Stunden durch.

Punkt sieben stand ich vor der Tür. Keine Fahrerin! Dann erst mal frühstücken. Gestern Abend hatten wir in einem kleinen Laden unter uns noch Pommes mit Huhn geholt. „We open at seven“ hatte die fette schwarze Mama erklärt „every day“!
Vielleicht war gerade heute ihr Wecker stehen geblieben, ihr Laden war zu. Zehn Minuten später rührte sich was, aber ich müsse mich noch zehn Minuten gedulden, konnte aber schon mal bestellen.
Ich ging zur Rezeption um Shana, die Fahrerin, anrufen zu lassen. Nach langem klingeln hob sie ab. Sie könne nicht kommen, sie hätte einen Platten…….
„I will call you another driver” sagte die Dame von der Rezeption. Und kurz darauf, “a driver will come in five minutes” sagte sie, “his name is Marcus“.
Schnell stopfte ich jetzt meine Toast mit Marmelade in mich rein und trank den Kaffee. Dazu kaufte ich fünf halbe Liter Flaschen Wasser. Alles zusammen für nur €5.
Die Dame vom Empfang stellte mir Marcus vor. Ich war jetzt in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition und zahlte drauf. US$ 55 für die Tour, hinbringen plus abholen. Außerdem seien EC$80 Eintritt zu zahlen, dazu das Trinkgeld für den Guide. Die Besteigung des Gros Piton würde mich über €70 kosten.
Die Lage von Soufrière zwischen den Bergen ist echt unglaublich. Der Parc Central ist umbaut von der hübschen Kathedrale, einigen Schuppen, unserem langweiligen Hotel und drei oder vier wunderschönen Gingerbread Häusern. Gerade wurde die Straße gefegt, bald würde der Müll von der heißen Nacht beseitigt sein.
Soufrière wird auf drei Seiten von steilen Bergen umgeben, von der vierten Seite vom Meer, und darin steht, fast gänzlich umgeben von Wasser, der perfekte steile Kegel des Petit Piton.
Und daran fuhren wir jetzt vorbei auf dem Weg zum Gros Piton. Rechts sah ich gerade noch die Aussicht auf das hübsche Städtchen weit unter mir und zwischen den üppigen Bergen lugten immer wieder die Spitzen der beiden Berge hervor.
Von Soufrière zum Ausgangspunkt der Besteigung des Gros Piton sind es fast 40 Minuten. Man fährt zuerst in Richtung Internationaler Flughafen und biegt dann rechts ab. Die Straßen sind dann steil und schmal, das dauert. „How do people live here?“ fragte ich Marcus. „They are farmers.” Bauern? Man sieht hier nur Gestrüpp. Ich glaube die Landwirtschaft orientiert sich hier eher an Zentral Afrika als zum Beispiel an Holland. Ich sah kaum ein Gewächs auf den Feldern, es gab nicht einmal eine Kuh auf den struppigen Wiesen. Dabei bieten die Supermärkte fast die gleichen Waren an wie bei uns in Europa. Es wird aber kaum etwas produziert. Wie das alles wohl funktioniert?
Die Besteigung ist perfekt durchorganisiert. Der Eintritt betrug wie erwähnt EC$80 oder US$30. Eine Besteigung ohne Guide ist nicht erlaubt. Ein Guide betreut bis zu vier Wanderer, ist die Gruppe größer wird sie aufgeteilt.
In dem Büro mit dem großen Schild „gratitudes are appreciated“ bezahlte ich den Eintritt und wurde an Jason vorgestellt. Marcus gab ihn seine Nummer, auf dem Rückweg würde Jason ihn anrufen um mich pünktlich abholen zu können.
Der rank und schlanke Junge lief wie eine Feder, ich musste ihn erst mal bremsen. Der Anfang der Besteigung war leicht. Unten sah alles aus wie ein Garten. Zwischen den Lavasteinen war der Rasen gemäht und Blumen gepflanzt worden. Einmal im Wald wurde der Trail gröber, aber es war einfach über die Steine zu klettern. Jason behauptete alles sei Natur, aber ich glaube es wurde ein wenig nachgeholfen. Ein anderer Vorteil war dass der Weg fast vollständig auf der Schattenseite des Berges verläuft, außerdem war der Hang völlig bewaldet.
Nach vielen Haarnadelkurven kamen wir nach einer halben Stunde zu einem Aussichtspunkt. Von hier konnte man die Westküste sehen, gerade fuhr eine große Jacht vorbei. Der Anfang des Trails befindet sich auf etwa 200m, wir befanden uns hier auf vielleicht 350m Höhe.
Es folgten wieder viele große Steine, ab und zu war der Abgrund gesichert durch aus Ästen gebastelte Geländer. Der zweite View Point war die Aussicht auf halber Höhe auf den Petit Piton. Ein fantastischer Anblick, aber von oben würde es sicherlich noch schöner sein. Auf der Bank saß eine Gruppe Franzosen die mich nicht registrierten. Seltsam, alle Leute die ich später beim runter gehen traf waren englischsprachig und jeder machte eine Bemerkung oder sagte hello.
Wir liefen gleich weiter um nicht zwischen den Franzosen zu geraten. Ich war jetzt vorne, wie mir Jason sagte. Dieser Teil war schwerer, die Steine größer, Jason zeigte mir den einfachsten Weg und fragte ständig „are you allright?“ Gut gemeint, aber irgendwann sagte ihn dass ich mich schon melden würde wenn etwas wäre.
Die schwierigen Stellen hatten immer Geländer an denen man sich hochhieven konnte. Die Vegetation wurde jetzt immer dichter und üppiger.
Der dreiviertel Punkt war ein 250 Jahre alter Mangobaum. Riesig und voll bewachsen mit Sukkulenten und Bromelien.
Ab jetzt wurde es schwerer. Mein langärmliches Hemd was ich angezogen hatte gegen die Sonne war inzwischen klitschnass. Jetzt blieb ich immer wieder stehen um zu fotografieren. Die Pflanzenwelt war wirklich unglaublich. All die Pflanzen die bei uns klein und mickrig in der Fensterbank stehen sind hier riesengroß. Ich weiß nicht ob ich jemals so was gesehen habe, nicht mal in Gabun oder Bioko.
Ich hörte die Franzosen hinter mir und wollte alleine oben sein. Jetzt wurde es feucht und rutschig. Ich musste schnell noch mehrere Male die irrsinnige Pflanzenwelt fotografieren.
Dann hatte ich es geschafft. Aber die Aussicht war nicht so wie ich dachte. Auch hier oben war alles dicht bewachsen. Nur die Sicht auf den 958m hohen Mt. Gimie war frei, die Sicht auf den Petit Piton lag hinter dicken Bäumen verborgen. Ich bin für Naturschutz, aber man hätte doch ein Paar Bäume fällen können, oder ein Weg zur anderen Seite des Gipfels freischlagen können?
Der Weg runter war für mich beschwerlicher. Immer große Schritte machen zu müssen geht auf die Knien. Auf halbem Wege machten wir noch mal einen Foto Stopp. Jason fotografierte mich vor dem Petit Piton, leider nicht von ganz oben wie von mir geplant, aber immerhin.
Die Tour hatte zwei Stunden hoch und anderthalb Stunden runter gedauert. Bei der Aussicht von Petit Piton hatte Jason Marcus angerufen, ich hoffte bald in Soufrière zurück zu sein, wir wollten noch in den Botanischen Garten gehen und uns das Städtchen anschauen.
Jason bekam sein Trinkgeld und ich lief zur Kreuzung, Marcus war nicht da. Ich nutzte die Zeit die schlechten Bilder zu löschen. Erst nach 40 Minuten kam ein Fahrer um mich abzuholen. Marcus sei nach Castries gefahren und hätte jetzt ihn, Joseph, geschickt.
Wir fuhren ganz nah unter den steilen Felsen des Gros Piton durch, erstaunlich wie es so leicht gewesen war nach oben zu kommen.
Christian war ganz aufgelöst. Er hatte die Nacht wegen der Hitze kaum ein Auge zu gemacht. Und nachdem wir die Balkontür geöffnet hatten seien die Mücken reingekommen die ihn von unten bis oben zerstochen hatten. „Warum hast Du dann jetzt nicht nach einem Zimmer gefragt wo die AirCon funktioniert?“ fragte ich ihn.
An der Rezeption meldete ich unser Problem. Die Dame kam mit zum Zimmer mit einer Fernbedienung. Gestern hatte sie vergessen ihn zu bringen. Minuten später war das Zimmer kühl. Ich hatte gedacht so ein Ding wäre für Faule die nicht vom Bett aufstehen wollen um das Gerät an oder abzuschalten. Ich Idiot! Mit der Fernbedienung konnte man richtig die gewünschte Temperatur einstellen. Armer Christian!
Joseph brachte uns zum Botanischen Garten. Die Natur hier war wirklich umwerfend. Riesig! Gigantisch! Wahnsinn! Man kann sich die Üppigkeit der Vegetation nicht vorstellen wenn man sie nicht selbst gesehen hat. Echt unglaublich.
Der Garten lag am Hang und wurde von einem kleinen Fluss durchflossen. Das Wasser war milchig und warm. König Louis XVI ließ hier ein kleines Bad im französischen Stil anlegen nachdem bekannt wurde dass das Wasser hier mehr Mineralien enthielt als in Aix-les-Bains in Frankreich. Die kleinen Kurgebäude und Bäder sind erhalten geblieben.
Für den Garten hatten wir US$6 Eintritt bezahlt. Bei den Bädern wurden die Tickets kontrolliert und dann einbehalten. Ich war hiermit überhaupt nicht einverstanden. Überall in der Dritten Welt versuchen sie es mit dieser linken Tour: die Tickets werden wieder eingesammelt und dann noch mal verkauft. Der Verwalter oder die Behörde geht leer aus, das Geld, unser Geld, wandert in die Tasche von dem Personal.
„Can I just see the tickets one more time?“ fragte ich. Sie zeigte sie mir und ich riss sie der Kontrolleurin aus der Hand und sagte ich würde sie nicht zurückgeben. Jetzt gab es einen Aufstand unter dem Personal. Eine andere Dame zeigte mir ein Etui voller Tickets. „We take all the tickets“ sagte sie. „But not our tickets“ sagte ich. Jetzt fing Christian an zu schreien: “Gib denen doch die Tickets, was ist los mit Dir?“ Ich gab ihm sein Ticket, meins rückte ich nicht mehr raus und lief weiter zu dem Diamond Waterfall. Ein Typ verfolgte mich noch aber ließ dann ab. So ein Theater!
Ein bisschen unkonzentriert schaute ich jetzt auf den kleinen Wasserfall. Die Bergwände waren über und über mit riesigen Farnen und Schlingpflanzen überwachsen, dazwischen elegante Firn Trees die ich aus Neu Seeland oder dem östlichem Indonesien kannte, wirklich sehr, sehr schön.
Wir bummelten zurück in die Stadt. Es war irre heiß hier in der Sonne. Wir machten noch einige Bilder am kleinen Hafen und an dem Strandboulevard, von hier sieht der perfekte Kegel des Petit Piton zum Greifen nah und wunderschön aus.

Heute Abend sind wir eingeladen. Zur ITB machte ich eine Anreise mit einer sehr freundlichen Dame in den Ostflügel. Sie erzählte mir von St. Lucia wo sie ein Hotel hatte. Einige Tage später machte ich mit ihr einen Zimmerwechsel zu einer Junior-Suite im Westflügel, weil inzwischen ihr Mann und Sohn auch gekommen waren. Wir unterhielten uns über Reisen und Hotels. Ihr Mann sei Architekt und wäre immer dabei ausgefallene Ideen umzusetzen. Ihr Gatte bedankte sich sehr großzügig und sie gab mir ihre Karte.
In T&T schrieb ich sie eine Mail, das wir auf dem Weg nach St.Lucia seien und das wir uns gerne das Hotel und die berühmte Aussicht auf die Pitons ansehen möchten. Ihr Hotel steht nämlich auf der Liste der Top 10 „Best Hotel Views“:
10. InterContinental Hong Kong
(Da habe ich mir mal eine Modenshow von Richard angesehen und vor drei Jahren mit Christian gewohnt).
09. Hotel Caruso Ravello, an der Amalfi Küste.
(Jürgen und ich haben Oktober 2012 an dieser Küste im Holiday Inn und im Crown Plaza übernachtet).
08. The Standard, LA
(Wie kommt eine Aussicht von dieser hässlichen Stadt in den Top 10? Hier die Erklärung: „The best view from The Standard is at the Rooftop Bar, where movies are projected onto neighbouring buildings so that stars can sip martinis while watching themselves on screen.” Na ja, als ich damals mit Ingo im Howard Johnson gewohnt habe war unsere Aussicht auf die landenden und startenden Flugzeuge des LAX glaube ich spektakulärer.)
07. Oberoi Amarvillas, Agra
(Natürlich mit Aussicht auf dem Taj Mahal! Auch von den Gärten aus ist dieses Bauwerk ein Traum. Mit meiner Mutter war ich hier am Tage und zum Sonnenuntergang.)
06. Hayman Island Resort, Great Barrier Reef
05. Villa D’Este, Como
(Hier wohnten Tante Christine und ihr Gatte Raimund jedes Jahr als sie ihre neue Postkartenkollektion ihrem Drucker vorstellten.)
04. Sheraton Iguazu Resort & Spa, Argentinien
(Anja und ich haben damals weniger feudal gewohnt. In den 80er Jahren war die Gegend noch tiefste dritte Welt, unser null Sterne Hotel war schmuddelig, das Essen ungenießbar. Die Fälle führten damals die 7-fache Menge an Wasser als normal, die Fälle waren überwältigend.)
03. Burj Al Arab, Dubai
Vasi und ich schafften es zuerst bis zur Einfahrt, später auch zu dem Strand um das große Segel zu betrachten. Unser InterConti und vor allem die Aussicht auf dem Burj Khalifa vom Pool aus waren auch nicht von Pappe!)
02. Jade Mountain, St. Lucia
(Da sind wir jetzt)
Nr 1 Commune by the Great Wall
(Da habe ich es immer noch nicht hingeschafft)

Noch am gleichen Tag kam die Antwort: „Peter, nice to hear from you, I invite you for dinner on the 15th“ Das war doch nett! Umso mehr da dieser Abend der letzte unserer Reise war.
Vom Hotel brauchten wir nur die wenige hundert Meter lange Hauptstraße durch Soufrière zu fahren, da ging es schon steil den Berg hoch.
Der kleine Weg war alt und im schlechten Zustand. Dies sollte wohl das Gefühl der Abgeschiedenheit und Weltferne vergrößern. Außer einigen Villen gab es hier nur dichter Wald. Mit Haarnadelkurven nach oben und später wieder runter kamen wir zu einem Parkplatz, dahinter stand neben der Schranke ein Torhaus. Wir stiegen aus, wir würden Marcus anrufen, wenn wir ihn wieder brauchten. Ich zeigte die Karte von Karolin. Es wurde von der Security angerufen. Nach einigen Minuten sagten sie es würde jemand kommen, um uns abzuholen. Ein kleiner Bus kam und wir wurden zum Hotel gefahren.
Das „Anse Chastanet“ ist ein Hotel, wo die Zimmer etwa $350 kosten und stammt wohl aus den 70er Jahren. Es hat mir nicht so gefallen. Alles ist sehr offen gebaut, keine Wände, keine Fenster, der Wind geht durch. Sehr schön! Aber die farbliche Gestaltung fand ich etwas merkwürdig. Die weißen Stutzbalken waren mit bunten Blümchen bemalt, die Sitze der gedrechselten Holzstühle hatten bunt karierte Sitzkissen. Außerdem gab es viel zu viel Deko: Holzschnitzereien, Statuen und Bilder.
Wir wurden freundlich begrüßt und bekamen ein Begrüßungsgetränk. Von diesem offenen Bar Bereich, gab es eine wunderbare Aussicht auf die beiden Pitons. Nach einer Weile - ich wurde schon leicht nervös - kam der Residence Manager. Der Herr, ein Deutscher aus Kolumbien, war sehr nett und erklärte uns das Hotel und machte small talk. Sehr freundlich aber die Sonne sank immer tiefer und wir hatten immer noch nichts gesehen. Der Duty Manager würde uns herumführen, hatte aber stand auch nicht gleich zur Verfügung. Als er schließlich kam und wir uns von dem stellvertretenden Chef des Hauses verabschiedeten war die Sonne schon untergegangen. Er brachte uns zum schönen Strand und dem indischen Restaurant an der Flutlinie. Auch hier keine Fenster oder Wände, alles offen. Der Farbskala des Interieurs, Sitzkissen und Deko-Gardinen, würde täglich gewechselt erzähle er. Der amerikanische Ehemann von Karolin, ein Architekt, hätte das Hotel in den 80er Jahren gekauft und von Grund auf erneuert. Manche Chalets seien abgerissen worden, neue gebaut, aber immer mit dem gleichen Konzept: Naturnähe. Keine Fenster sondern Sprossenfenster, sowie keine moderne Errungenschaften wie AirCon, Fernsehen, Radio oder Telefon.
Es gab Chalets am Strand oder den Hügel hinauf. Darüber türmte in großer Höhe ein seltsames Ungetüm aus Beton. Leider für uns gab es keine unbelegten Zimmer zum Anschauen.